Workout für deine mentale Fitness

Manchmal tut es gut, sich zwischendurch sanft zu „pushen“, zu dehnen, ein wenig zu strecken und die Muskeln auszuschütteln. Dem Körper neue Impulse zu geben und ihn einfach für ein paar Minuten neu auszurichten, um dann erfrischt weiter zu machen. Dafür gibt es jede Menge Übungen. Auch unser Gehirn hat sich ab und zu so eine Aktivierung verdient. Nur…wie machst du das?

Unser Denkapparat nimmt solche Impulse sehr dankbar auf. Er wächst durch neue Herausforderungen und bildet neue, synaptische Verbindungen aus.

Das Unbekannte stärkt ihn. Was du benutzt, verbessert und entwickelt sich. Je besser wir in unserem Kopf „vernetzt“ sind, umso besser sind unsere mentalen Fähigkeiten.

Vielfalt ist der Schlüssel

Du kannst Übungen auf physischer (Koordination) und mentaler Ebene (Imagination und kognitive Aufgaben) kombinieren. Du kannst jede Übung so aufbauen, dass du anfangs leicht einsteigst, indem du mit einer Übung startest. Dann fügst du bei jedem Durchgang ein weiteres Element hinzu, bis du irgendwann an deine Grenzen stößt. Dabei geht es nicht darum, diese Übungen perfekt oder fehlerfrei auszuführen. Es reicht völlig, wenn du mit Spaß an die Sache herangehst und versuchst, die Übungen möglichst konzentriert durchzuführen. Sieh es als eine spielerische Herausforderung.

Unser Gehirn profitiert bei Bewegungsfolgen vor allem von Varianten, bei denen sich deine Hände und/oder Beine vor der Körpermitte kreuzen (ähnlich wie beim Tanzen, das übrigens auch ein gutes Mittel ist, um dein Gehirn zu trainieren). Wenn Du also z.B. mit deiner rechten Hand auf die linke Seite greifst oder deinen linken Fuß locker nach rechts schwingst. Damit du dir das etwas besser vorstellen kannst, hier ein paar Vorschläge für den Start.

Die Grundlagen

Du brauchst für ein mentales Workout keine bestimmten Geräte und kannst es praktisch jederzeit und überall durchführen, wenn du genug Zeit und Platz hast. Ich möchte aber vorausschicken, dass so ein Workout für Außenstehende ungewöhnlich und lustig aussehen kann. Ich empfehle dir daher, in einer privaten Umgebung zu trainieren. Falls du Freunde oder deine Partner dazu überreden kannst, es auch auszuprobieren, könnt ihr natürlich gemeinsam üben. Natürlich darfst du dabei lachen! Das ist völlig in Ordnung. Wie ich zu Anfang geschrieben habe, soll es auch Spaß machen. Damit du einen Eindruck bekommst, wie so ein Workout ablaufen kann, hier ein paar Details. Lass uns gemeinsam neue neuronale Schaltkreise in deinem Gehirn aufwecken!

  1. Stehe entspannt, die Beine stehen schulterbreit auseinander und deine Füße zeigen gerade nach vorne.

  2. Beginne jetzt damit, dass du deinen Kopf langsam nach rechts drehst, deine Augen aber gleichzeitig nach links bewegst – und umgekehrt.

    Füge nach ein paar Sekunden ein weiteres Element hinzu

  3. Bewege dein rechtes Bein jetzt über dein links und gehe dann in seine Ausgangsstellung zurück. Jetzt bewege dein linkes Bein kurz nach rechts und so weiter…

    Füge nach ein paar Sekunden ein weiteres Element hinzu

  4. Schnippe regelmäßig mit deiner linken Hand, während du gleichzeitig mit deiner rechten Hand einen Kreis beschreibst (ob im oder gegen den Uhrzeigersinn ist egal)

    Füge nach ein paar Sekunden ein weiteres Element hinzu

  5. Summe jetzt ein einfaches Lied

    Füge nach ein paar Sekunden ein weiteres Element hinzu

  6. Denke nacheinander an eine spielende Katze, einen Sonnenuntergang und den Eifelturm.

Komme nach einigen Sekunden wieder zur Ruhe. Schließe die Augen und entspanne dich.

Sobald du bereit bist, können wir mit einem zweiten Durchgang starten. Diesmal wollen wir etwas für unsere kinästhetischen Empfindungen tun. Bereit? Dann los!

  1. Nimm wieder eine entspannte Grundhaltung ein wie oben beschrieben.

  2. Schließe deine Augen.

  3. Mache jetzt langsam und bewusst drei Schritte nach vorne und stelle dir dabei gleichzeitig vor, wie du rückwärtsgehst. Gehe anschließend 3 Schritte rückwärts und stelle dir dabei intensiv vor, wie du vorwärts gehst. Fahre damit ein paar Minuten fort.

    Füge nach ein paar Durchgängen ein weiteres Element hinzu

  4. Führe jetzt beim Vorwärtsgehen vor deinem Körper mit beiden Armen gleichzeitig langsam Kreise im Uhrzeigersinn aus und wechsle die Richtung in den Gegenuhrzeigersinn, wenn du rückwärtsgehst. Führe diese Bewegungsfolge einige Minuten achtsam aus.

  5. Komme jetzt wieder zur Ruhe. Atme tief und entspannt und spüre in dich hinein.

Möglicherweise wirst du nach Abschluss dieser Übung ein leicht irritiertes Gefühl empfinden. Das ist völlig normal. Wahrscheinlich spürst du eine angenehme innere Zentriertheit und Stille in deinem Geist.

Entwirf eigene Übungsvarianten

Es gibt unzählig viele Variationen für solche mentalen Workouts. Du kannst z.B. in einer Hand einen Tennisball regelmäßig hochwerfen, während du mit der anderen in der Luft ein Quadrat zeichnest und dabei beginnst, langsam am Stand zu laufen. Oder du legst deine rechte Hand auf deinen Bauch und lässt sie im Uhrzeigersinn kreisen, während du dir mit der Handfläche deiner anderen Hand regelmäßig von oben auf deinen Scheitel tippst, während du abwechselnd das linke, dann das rechte Bein anwinkelst und dabei ein Gedicht aufsagst, etc…

Ich hoffe, damit wird das Prinzip klar. Du kombinierst unterschiedliche körperliche Bewegungen mit Imagination, einfachen Rechenaufgaben oder sprachlichen Aufgaben. Du kannst dir auch jedes Element auf ein kleines Blatt Papier oder eine Karte schreiben oder zeichnen. Anschließend mischt du alle Elemente einfach und ziehst die Reihenfolge nach dem Zufallsprinzip. So ist für jede Menge Abwechslung gesorgt.

Wenn dir eine Übungsreihenfolge leichtfällt, nimm eine weitere Aufgabe hinzu. Wenn du bemerkst, dass du dich daran zu gewöhnen beginnst, wechsle zu neuen Übungen.

Das Ziel ist es nicht, die Aufgaben perfekt zu erlernen oder zu meistern, sondern sein Gehirn herauszufordern.

Dadurch beginnt es sich neu zu synchronisieren. Konzentration, Aufmerksamkeit und Gedächtnis verbessern sich. Auch wenn Du einmal in quälenden Gedankenschleifen festhängst, kann ein mentales Workout diesen Denkkreis unterbrechen und dich neu ausrichten.

Wie bei allen mentalen Übungen profitierst du natürlich am meisten davon, wenn du sie regelmäßig durchführst. Ich bin gespannt, welche kreativen Workouts du für dich entwickeln wirst und wünsche Dir viel mentale Kraft, Spaß und Erfolg!

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

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