Wie mentale Stärke wirken kann

Was ich hier schreibe, ist schon einige Jahre her. Damals nahm ich an einer umfangreichen Ausbildung teil, die ein Jahr dauerte. Am Ende stand natürlich eine Abschlussprüfung. Diese Prüfung setzte sich aus unterschiedlichen theoretischen und praktischen Bereichen zusammen und dauerte – mit einigen Unterbrechungen – einen ganzen Tag.

Da unterschiedliche Prüfungstermine angeboten worden waren, wusste niemand, mit wem man an einem bestimmten Tag die Prüfung gemeinsam absolvieren würde.

Als ich am Tag der Prüfung um 8.00 im Ausbildungszentrum eintraf, war ich guter Stimmung und Zuversichtlich, die Prüfung gut zu meistern. Ich freute mich, einige Kurskollegen wiederzusehen. Wir begrüßten uns herzlich und tauschten die letzten Neuigkeiten aus. Auch wenn die Stimmung angespannt war, so hatten wir doch alle hart dafür gearbeitet und wollten heute unseren Erfolg durch eine gute Prüfung feiern.

Vor der Prüfung …

Die Anspannung und Nervosität der Teilnehmer waren deutlich spürbar.

Doch erst einmal hieß es warten! Vorbereitungen mussten getroffen werden. Die Anspannung und Nervosität der Teilnehmer waren deutlich spürbar. Jeder im Raum ging auf seine Art damit um und versuchte, das Beste daraus zu machen. Die Minuten, die wir wartend verbrachten, vergingen quälend langsam. Wir versuchten uns die Wartezeit mit lockeren Plaudereien zu verkürzen und tauschten Erfahrungen aus. Natürlich war auch die anstehende Prüfung Thema. 

Ich war ein wenig nervös, aber ich wusste, dass ich mich gut vorbereitet hatte. Vor allem machte ich mir bewusst, dass ich schon viel schwierigere Prüfungen bestanden hatte. Ich entspannte mich und rief einige mentale Techniken ab, um mich zu stärken. Die Wartezeit nutzte ich, um im Geist noch einmal mein Präsentationskonzept durchzugehen und mich auf die anstehenden Fragen vorzubereiten.

Ich entspannte mich und rief einige mentale Techniken ab, um mich zu stärken.

Während ich das tat, merkte ich, wie die Stimmung im Raum langsam ins Negative abzudriften drohte. Eine Kurskollegin, die neben mir saß, wurde von Minute zu Minute unruhiger. Sie wirkte zunehmend verzweifelt und die Prüfungsangst schien sie immer mehr zu überwältigen. Immer wieder sagte sie halblaut zu sich selbst und den anderen im Raum Dinge wie „Oh Gott, das werde ich nicht schaffen!“, „die Prüfung ist so gut wie gelaufen!“, „Das kann ich nicht bestehen!“, „die Prüfer wollen uns fertig machen!“, „was mache ich nur, wenn es schiefgeht?“ usw…

Wenn die Stimmung kippt

Diese negative Stimmung breitete sich immer mehr im Raum aus. Verzweiflung und Angst griffen langsam um sich und ich konnte an der Körpersprache und den Blicken der anderen Kursteilnehmer ablesen, dass sie davon angesteckt wurden und ebenfalls immer mehr Angst bekamen. Mir wurde klar, dass ich schnell etwas tun musste, wenn ich nicht wollte, dass diese Situation eskalierte und uns alle schwächte.

Durch Achtsamkeit Stärke fokussieren

Also wandte ich mich bewusst meiner verzweifelten Kurskollegin zu. Sie hatte schon bemerkt, dass ich die ganze Zeit über sehr ruhig und gelassen geblieben war und drückte das auch aus, indem Sie mir in einer Mischung aus ungläubigem und anklagendem Tonfall vorwarf „Wie kannst du nur so ruhig bleiben?“

Ich fokussierte meine Achtsamkeit ganz auf sie und stellte eine Verbindung zu ihr her. Ich musste ihr Selbstvertrauen stärken. Daher bat ich sie, ruhig und langsam durchzuatmen und half ihr, sich ein wenig zu entspannen und ihren Geist neu zu fokussieren.

Dann stärkte ich ihre Zuversicht, indem ich sie daran erinnerte, wie gut sie die Ausbildung während des Kurses gemeistert hatte und dass sie mit ihrem Konzept (soweit ich es kannte) gute Arbeit geleistet hatte. Ich nahm sie mit auf eine kleine mentale Reise und erinnerte sie an ihre persönlichen Stärken und Fähigkeiten. Durch das Gespräch wurde sie jetzt merklich ruhiger. Nach einigen Minuten erlangte Sie die Kontrolle wieder und ihre Ängste wichen einer neuen Zuversicht.

Aufatmen in der Gruppe

Alle atmeten erleichtert auf, so als wäre eine Last von ihren Schultern gefallen.

Diese Veränderung blieb auch für alle anderen Teilnehmer in diesem Raum nicht ohne Wirkung. Alle atmeten erleichtert auf, so als wäre eine Last von ihren Schultern gefallen. Nachdem die Situation entschärft war, entspannten auch sie sich wieder und die Stimmung im Raum verbesserte sich schlagartig. Dann ging es endlich los, und einer nach dem anderen wurde zur Prüfungskommission hineingerufen.

Als Sie schließlich an der Reihe war, konnte sie sich zuversichtlich der Herausforderung stellen. Am Ende des Tages präsentierte sie mir freudestrahlend ihr Diplom.

Dieser Vorfall zeigte mir einmal mehr, wie entscheidend es ist, seine mentale Stärke zu trainieren, um in kritischen Augenblicken die Kontrolle zu behalten und handlungsfähig zu bleiben. Durch ihre Selbstzweifel hatte sie ihre Handlungsoptionen stark eingeschränkt und sich selbst geschwächt. Sie hatte innerlich aufgegeben, lange bevor die Prüfung überhaupt entscheiden war. Mehr noch, diese Überzeugung beeinflusste alle in ihrer Umgebung und kostete viel Energie.

Mentale Stärke kann in allen Lebensbereichen den entscheidenden Unterschied ausmachen.

Egal ob es darum geht, besser mit seiner Prüfungsangst umzugehen, seine Nervosität in Energie zu verwandeln, konzentriert und gelassen zu bleiben oder seine Selbstwirksamkeit zu steigern um neue Lösungen zu verwirklichen.

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