Viren des Geistes Teil 1

Du wirst dich jetzt vielleicht verwundert fragen: Viren des Geistes? Gibt`s die wirklich? Ja. Und sie sind auf ihre Art genauso ansteckend wie echte Viren. Das Thema berührt etwas fortgeschrittenere Inhalte des Mentaltrainings und wird kaum öffentlich angesprochen. Was dabei in unserem Geist abläuft, ist vielfältig und subtil und nur zum Teil erforscht. Vera Birkenbihl hat dazu einmal einen interessanten Vortrag gehalten, den du im Internet finden kannst.

Ich will hier ein paar Einblicke geben. Da es trotzdem wieder etwas umfangreicher geworden ist, habe ich mich wieder dazu entschlossen, diesen Beitrag zu teilen. Mit Teil 1 starten wir gleich hier und die Fortsetzung folgt in 2 Wochen.  Viel Spaß beim Lesen.

Wusstest du, dass du dich nicht nur mit einem Virus infizieren kannst, sondern auch mit ungesunden Ideen und Gedanken? Davon begegnen uns im Laufe unseres Lebens eine ganze Menge. Dann ist es wichtig, dass du solche Viren rechtzeitig entdecken und entschärfen kannst, um deinen Geist frei davon zu halten und die passende mentale Antwort dagegen zu finden.

Die Wissenschaft bezeichnet Informationen auch als „Mem“ (altgriechisch mīmēma), was für „nachgeahmte Dinge“ oder „Imitation“ steht. Meme sind vereinfacht gesagt bestimmte Gedanken und Bewusstseinsinhalte. Solche Gedanken und Ideen unterliegen – wie alles andere auch – einer ständigen Veränderung. Sie werden aufgenommen, ergänzt, ausgeschmückt, verändert oder neu interpretiert. Das geschieht natürlich vorwiegend durch das jeweilige Bewusstsein, das sich damit beschäftigt.

Schließlich wird es weitergegeben durch Diskussion oder das Teilen in sozialen Netzwerken. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sich für manche Inhalte die Bezeichnung „etwas geht viral“ etabliert hat. Auch der Begriff des „viralen Marketings“ hat sich im Laufe der letzten Jahre entwickelt.

Viren sind seit Corona präsenter denn je in unserem Alltag. Damit einhergehend, hat die dadurch ausgelöste Besorgnis auch zu einschneidenden Veränderungen in allen Lebensbereichen und unserer täglichen Routine geführt. Wir wurden auf soziale Distanz eingeschworen, auf das Tragen von Masken, das permanente Desinfizieren unserer Hände, Testen, Abstand halten, Ausgangssperren, Lockdowns, Homeoffice und vieles mehr.

Neben einer möglichen Bedrohung unserer physischen Gesundheit entstanden dabei auch andere Viren, die uns mental bedrohten – Viren des Geistes. Auch sie können uns mental und physisch schädigen. Sie können uns physisch krank machen und unser Immunsystem schwächen durch den Stress und die Angst, die sie erzeugen – um nur eine Wirkung herauszugreifen. Aber auch gegen solche Viren gibt es ein Gegenmittel. Sie lauten mentale Stärke, Logik, Skepsis und Gelassenheit. Sehen wir uns das ein wenig genauer an.

Flüchtige und wichtige Gedanken

Ich möchte grob zwischen zwei grundsätzlichen Arten von Gedanken unterscheiden: flüchtigen und wichtigen. Sie unterscheiden sich darin, wie wichtig wir sie nehmen, und welchen Stellenwert sie daher in unserem Denken einnehmen.

Flüchtige Gedanken sind kurzweilig, sie nehmen täglich in unserem Geist Gestalt an und verblassen nach mehr oder weniger kurzer Zeit wieder von selbst.

Solche Gedanken beschäftigen sich mit unmittelbaren Herausforderungen in unserem Alltag, unserer Arbeit oder der Partnerschaft. Manchmal sind es auch nostalgische Erinnerungen an unsere Vergangenheit oder Fantasien über unsere Zukunft. Nachdem solche Gedanken und Ideen uns eine Weile begleitet haben, werden sie durch andere Gedanken ersetzt. Es sind nur „Gäste auf Zeit“ in unserem Geist. Wir werden jeden Tag mit einer regelrechten Flut solcher kurzweiligen Gedanken bombardiert. Sie kommen und gehen ständig.

Ganz anders verhält es sich bei wichtigen Gedanken. Wir sind von ihnen überzeugt.

Wichtige Gedanken reifen mitunter zu fixen Ideen heran. Sie verwandeln sich allmählich in Glaubenssätze und bilden so die Fundamente unserer gedanklichen Wirklichkeit.

Sie schleichen sich dabei unter dem Radar der Logik in unseren Geist und breiten sich dort gerne aus, wenn wir ihnen nicht Einhalt gebieten oder sie einer kritischen Prüfung unterziehen. Sie fühlen sich „echt“, „wahr“ und wichtig an. Diese mentalen Säulen unserer Realität müssen nicht zwangsläufig logisch sein. Es reicht, dass wir voll und ganz von ihnen überzeugt sind. Solche mentalen Konstrukte begleiten uns dann oft viele Monate oder gar Jahre, oder sogar ein ganzes Leben lang. Was solche „Viren des Geistes“ unterstützt, ist die Denkgewohnheit, dass wir mit solchen Gedanken sehr selektiv umgehen. Wir ignorieren dabei meist Informationen, die sie in Frage stellen und suchen bzw. befürworten Informationen, die unsere mentalen Konstrukte und Glaubenssätze bestätigen und unterstützen.

Um eine einfache Analogie zu verwenden: Unser Verstand ist dabei ähnlich wie ein Richter, der in diesem Fall nur mehr die Argumente einer Seite anhört, und alle anderen Beweise ignoriert.

Das hat Konsequenzen. Es beeinflusst unsere Art, sachlich und logisch zu denken und zu analysieren. Solche Gedanken können mit der Zeit toxisch für unseren Geist werden. Nämlich dann, wenn sie Ängste in uns schüren und uns auf eine bestimmte Art und Weise denken und handeln lassen. Dann verengen sie unser Sichtfeld und beschneiden unser logisches Denken. Im schlimmsten Fall können daraus Zwangsgedanken werden, die uns in fanatische Denk- und Handlungsweisen treiben.

Wie entstehen „Viren des Geistes“ ?

Viren des Geistes können manchmal ganz „cool“ daherkommen.

Es ist vielleicht das neue Schlagwort, das in aller Munde ist. Jeder spricht darüber und es scheint die Zukunft zu sein – bis es durch ein neues Schlagwort ersetzt wird.

„Industrie 2.0“, „Digitalisierung“, „KI“, „Blockchain“, „Internet of things“ oder „Virtual Reality“, “Change-Mangement” oder “VUKA” sind nur ein paar aktuelle Beispiele dafür. Wenn du ein wenig recherchierst, wirst du noch auf viele andere Begriffe stoßen, die im Laufe der letzten Jahrzehnte aufgetaucht – und meist auch wieder verschwunden sind.

Auch Trends können sich wie Viren des Geistes verbreiten. Durch die sozialen Medien finden sie heute eine schnellere Verbreitung denn je. Wenn du die Mode- und Schönheitsideale der letzten Jahre betrachtest, werden dir sicher einige auffallen.

Du solltest daher gerade Dingen, die momentan „In“ sind und besonders begehrenswert erscheinen, kritisch gegenüberstehen. Unüberlegtes Handeln kann dich hier Zeit und Geld kosten, im schlimmsten Fall sogar gesundheitliche Schäden anrichten – zweifelhafte Diät-Tipps oder gefährliche „challenges“ zum Beispiel.

Gerade wenn du limitierende Glaubenssätze in dir aufspürst, wird dir das oft schmerzlich bewusst. Dir wird dann zwar klar, dass bestimmte Aussagen über dich und die Welt nicht förderlich sind für deine Entwicklung und deine Fähigkeiten. Aber es fällt dann meist immer noch schwer, sie mental loszulassen. Was macht es so schwierig, flexibler mit solchen Gedanken umzugehen? Wieso ist es so schwer, solche Gedanken loszulassen und sie einfach durch passendere zu ersetzen? 

Jetzt sind wir schon am Ende von Teil 1 angelangt. Im zweiten Teil zeige ich dir neben weiteren wissenswerten Details auch drei Tipps, mit denen du ganz konkret etwas gegen Viren des Geistes unternehmen kannst. Also bleib dran. Bis zum nächsten Mal!

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

Schreibe einen Kommentar