Unsichtbare Grenzen

Die meisten mögen wir nicht. Manche erkennen wir nicht. Und andere ziehen wir ganz klar und verteidigen sie vehement. Die Rede ist von Grenzen. Immer wieder bist du mit Inneren und äußeren Grenzen ganz unterschiedlicher Art konfrontiert. Manche davon sind unmittelbar sicht- und spürbar, andere wirken im Verborgenen, jenseits deiner bewussten Wahrnehmung. Hinderlich werden sie erst dann, wenn du sie in deinem Kopf zu deiner Realität machst. Darum möchte ich hier ein wenig über tatsächliche (und eingebildete) Grenzen sprechen und darüber, wie sie in deinem Geist wirken, und dein Denken beeinflussen können.

Physische Grenzen

Beginnen wir mit ganz handfesten Grenzen – den Limits deiner physischen Leistungsfähigkeit. Du stößt immer dann auf sie, wenn du dich körperlich in Bereichen betätigst, in denen etwas klar messbar ist. Oder wenn du etwas tun willst, das eigentlich eine bessere Fitness voraussetzen würde. Im Sport definieren diese Grenzen etwa, ob du ein Freizeit- oder Profiathlet bist. In den meisten Olympischen Disziplinen kann eine bestimmte Zeit, Entfernung, ein Gewicht oder eine erreichte Höhe genau gemessen werden.

Alle Spitzensportler arbeiten hart daran, sich diesen Grenzen anzunähern, oder sie – wenn möglich – zu übertreffen. Ein neuer Rekord ist natürlich ein außergewöhnlicher Höhepunkt in der Erfolgsgeschichte eines Sportlers. In vielen Disziplinen muss ein Profisportler überhaupt erst ein bestimmtes Leistungsniveau erreichen, um für die Teilnahme an einem Wettkampf nominiert zu werden. Deine physischen Leistungsgrenzen kannst du erweitern, indem du regelmäßig trainierst, einem gesunden Lebensstil pflegst und dranbleibst. Natürlich kannst du deine körperlichen Fähigkeiten besser entwickeln, wenn du sie nicht durch deine Vorstellungen einschränkst, denn…

dein Körper folgt deinen Gedanken.

Aber auch in deinem Kopf spielen Grenzen eine große Rolle.

Nur sind sie dort nicht immer so klar messbar. Wenn du über deine Grenzen gehst, dann geht das vielleicht eine Zeit lang gut, aber früher oder später schleichen sich Fehler ein. Die Müdigkeit fordert ihren Preis. Erschöpfung kann deine Laune nachhaltig negativ beeinflussen. Die Verletzungsgefahr steigt und im schlimmsten Fall kann ein Burnout drohen. Dann ist es höchste Zeit, einen Gang zurückzuschalten und für Erholung zu sorgen.

Dabei lädt jeder seine „inneren Batterien“ ganz unterschiedlich auf. Während manche die Natur genießen, sehnen sich andere nach einer entspannenden Wellness-Behandlung und wieder andere gehen ganz im Genuss von Musik auf, verbringen eine angenehme Zeit der Zweisamkeit oder vertiefen sich in ihr Hobby und ihre Leidenschaften. Dabei ist der Ausgleich wichtig. Wenn du deine inneren Kraftquellen besser erforschen willst, findest du auf meiner Seite im Downloadbereich die Vorlage „Mentale Ressourcen“.

Ereignisse markieren Grenzen

Aber es gibt noch eine andere Kategorie von Grenzen und Fixpunkten, die durch gesellschaftliche Entwicklungen entstanden sind. Das Weihnachtsfest etwa gehört zu einem gesellschaftlichen Fixpunkt in der christlichen Welt. Alle nötigen Vorbereitungen, wie das Schmücken von Haus und Garten und das rechtzeitige Besorgen von Geschenken, versetzt viele Menschen jedes Jahr von Neuem in Stress. Denn alles muss ja bis spätestens 24. Dezember erledigt sein, ein verschieben ist einfach nicht möglich. Damit entsteht eine unsichtbare Grenze.

Apropos verschieben. Auch in unserer modernen Arbeitswelt ist das Jahr meist strikt durchgetaktet. Die Zeit hat uns fest im Griff und das Diktat wichtiger Termine regiert unser Handeln und Denken. Unser Arbeitszeitmodell markiert gleich mehrere Grenzen. Daneben stehen Monatsabschlüsse, Quartalsreports und Jahresabschlüsse an. Projekttermine müssen eingehalten werden. Auch hier steigt der Druck von Jahr zu Jahr, denn bestimmte Leistungen und Arbeiten müssen bis zu einem festgelegten Zeitpunkt unbedingt erledigt werden. Dabei wird oft so agiert, als stünde man vor einer handfesten Barriere, einem universalen Gesetz des Universums. Vielleicht kennst du das Phänomen, dass manche KollegInnen einige unliebsame Arbeiten tagelang vor sich herschieben, und dann am Freitag noch schnell alles erledigen wollen, um die Woche mit einem guten Gefühl abzuschließen.

Man will den Kopf frei haben und den Schreibtisch leer.

Das ist auch so eine unsichtbare Grenze – das Wochenende. In solchen Augenblicken ist es wichtig, dass du dir klarmachst – all das ist von Menschen festgelegt, kaum etwas davon hat eine universale Gültigkeit. Selbst wenn einmal ein wichtiger Termin überschritten wurde – die Welt wird sich ziemlich sicher auch danach noch weiterdrehen. Indem du dir das bewusst machst, nimmst du solchen unsichtbaren Grenzen ein wenig von ihrer Macht.

Grenzen im Denken auflösen

Um deinen Geist und dein Denken aus unsichtbaren Grenzen zu befreien, musst du sie zuerst erkennen. Dann kannst du damit beginnen, sie zu hinterfragen, zu erweitern oder zu durchbrechen. Wenn du dich aus der Tretmühle solcher unsichtbaren Barrieren in deinem Geist befreien willst, kannst du damit beginnen, sie kritisch zu prüfen und in Frage zu stellen. Du lernst dann klarer zu unterscheiden zwischen Grenzen, die tatsächlich existieren, und solchen, die du dir selbst erschaffen hast.

So wird es dir möglich, eine gelassenere Position einnehmen, einen Schritt zurücktreten und die Ereignisse aus einer ganzheitlicheren Sicht beurteilen. Indem du das aktiv tust, nimmst du viel Druck heraus und öffnest neue Perspektiven für deinen Geist. Fragen wie „Was wäre das Schlimmste, das passieren könnte?“ und „was passiert, wenn ich das nicht, nicht jetzt bzw. anders mache?“ können hier wertvolle Helfer sein. Denn zum einen kommst du dann vielleicht zu der Einsicht, dass es wohl sehr unwahrscheinlich ist, dass das Schlimmste wirklich eintritt. Oder dir wird klar, dass die Folgen gar nicht so schlimm wären. Zum anderen erkennst du vielleicht neue Alternativen, wo du vorher keinen Ausweg gesehen hast.

Es ist sinnvoll, sich einen inneren Raum zu schaffen, der genug Platz für Entwicklung lässt.

Wir stellen mehr mentale Grenzen auf, als uns guttun. Dann dürfen wir uns natürlich nicht wundern, wenn wir in ihnen gefangen sind und uns mental in sehr engen Räumen bewegen. Denn „Think Big!“ beginnt dort, wo wir uns selbst genug Raum geben. Die Stimme dieser inneren Grenzen äußert sich in Killerphrasen wie „das kann ich nicht“, „das geht nicht“, „das haben wir noch nie so gemacht“, „das bringt nichts“, „das darf ich nicht“, „das ist sinnlos“, „das haben schon andere versucht“ und viele mehr.

Finde ein gutes Mittelmaß zwischen Grenzen, die zu eng gefasst sind und unrealistischen Fantasien. Wenn du willst, dann frage dich selbst, wo deine inneren Grenzen liegen. Wenn du es nicht weißt, taste dich langsam heran und erweitere sie um ein kleines Stück – einen überschaubaren Bereich, der für dich noch gut handhabbar ist. Sorge für optimale Bedingungen und ein möglichst sicheres Umfeld, bevor du daran gehst, diese neuen Bereiche zu erfahren. Du kannst diesen neuen Raum dann Schritt für Schritt erforschen und erkunden. Sei wie ein neugieriges Kind. Wenn du Sicherheit brauchst, dann mache dir bewusst, dass du jederzeit wieder einen Schritt zurückmachen kannst, wenn du das willst. Mit dieser inneren Gewissheit fühlen sich die ersten Schritte in ein neues Denken viel angenehmer an. Niemand treibt dich dabei an, nur du selbst bestimmst das Tempo. Damit werden deine ersten Schritte in ein neues Denken zu einer Erkundungstour, die Spaß macht.

Ich hoffe, du kannst einige überholten Grenzen ausmustern, deine Komfortzone erweitern und in deinem Leben Platz für Neues schaffen. Lass dich inspirieren. Wenn du es angehen willst, dann nimm Kontakt mit mir auf – gemeinsam finden wir einen Weg. Ich wünsche dir viel Erfolg und neue Freiheiten.

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

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