Heute schon „genudged“?

„Nudge“ stammt aus dem englischen und bedeutet so viel wie „anstupsen“. Der Begriff wurde vom Verhaltensökonom Richard Thaler geprägt, der für seine Arbeiten und Entdeckungen zu diesem Thema den Wirtschafts-Nobelpreis 2017 erhielt. Dabei kann so ein „Schubs“ unser Verhalten subtil in eine neue Richtung steuern und uns dabei helfen, unsere negativen Seiten im Zaum zu halten. Nudging macht dabei Gebrauch von unserer Bequemlichkeit und unbewussten, spontanen Impulsen.

Denn unsere Entscheidungen stehen nicht von vorneherein fest. Im Gegenteil – oft werden wir zu Dingen verleitet, die wir ursprünglich gar nicht wollten.

“Nudging soll uns sanft in eine Richtung orientieren.”

Nudging wird bereits in den unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt. Hier ein paar Beispiele:

Der amerikanische Supermarkt „Pay & Save” brachte grüne Pfeile auf dem Boden an, die zur Obst- und Gemüseabteilung führten. Das Resultat: 9 von 10 Kunden folgten diesen Wegweisern und der Umsatz von Obst und Gemüse schnellte dadurch signifikant in die Höhe.

Um die Verunreinigung öffentlicher Toiletten zu reduzieren, wird in manchen Pissoirs das Bild einer Fliege in das Pissoir gedruckt. Dieses „Ziel“ verfehlte seine Wirkung nicht. Der Effekt – deutlich weniger Verunreinigungen.

Apropos Verunreinigung – um die Verschmutzung in manchen Städten zu reduzieren und das Bewusstsein für die Sauberkeit auf öffentlichen Plätzen zu steigern, startete man unterschiedliche Kampagnen mit Slogans wie „Sei cool, bau keinen Mist!“. Oder man malte Fußabdrücke als Wegweiser auf die Straße, die zu Abfalleimern führten. Das Resultat: mehr Abfälle landeten im Mülleimer, statt auf der Straße.

In öffentlichen Cafeterias und Kantinen hat die Auswahl und die Präsentation der Speisen einen großen Einfluss auf das Konsumverhalten der Gäste. Man entwickelt Appetit auf das, was man vor der Nase hat. Unmittelbar vor der Kasse werden meist Süßigkeiten als schnelle Mitnahmeartikel angeboten. Als man diese in die hinteren Reihen verbannte und stattdessen alternatives, gesundes Essen anbot, stieg der Konsum gesunder Gerichte sprunghaft an.

In Ländern, wo man sich als potentieller Organspender registrieren lassen muss, ist der Anteil der Spender erfahrungsgemäß eher niedrig. Manche Länder änderten daher ihre Vorgehensweise und kehrten die Prozedur um. Alle Bürger sind von Haus aus als Organspender registriert. Will man das nicht, muss man das speziell bekanntgeben und ein Formular ausfüllen. Diese Schwelle erhöhte die Zahl der Spender drastisch.

Um die Energiekosten nachhaltig zu senken, hat man in manchen Häusern begonnen, die Heizkosten für alle Hausbewohner sichtbar zu machen. Dadurch, dass jetzt alle Bewohner sehen konnten, wie hoch ihr Verbrauch im Vergleich zu ihren Nachbarn waren, entstand ein positiver Wettbewerb. Denn niemand wollte der größte Energieverbraucher im Haus sein, was dazu führte, dass die Heizkosten nachhaltig sanken.

Wozu Nudging?

“Nudging soll uns sanft in eine Richtung orientieren und so unsere Achtsamkeit und unsere Handlungen lenken.”

Unsere Gewohnheiten erledigen dann den Rest.

Natürlich kennt auch die Werbung unsere Schwächen und nutzt diesen Effekt. Wenn im Geschäft etwa wieder ein Angebot unübersehbar anpreist: „Nimm 2, zahl 1“, oder „nur solange der Vorrat reicht!“. Da wir aus der Frühzeit unserer Evolution darauf programmiert sind, Ressourcen zu sammeln und gute Gelegenheiten im Kampf um Ressourcen wahrzunehmen, können wir diesem Drang zur Schnäppchenjagd oft nur schwer widerstehen. Schwupps – schon kaufen wir das doppelte ein – egal ob wir es tatsächlich brauchen oder nicht.

Auch der Wert einer Sache wird von uns relativ empfunden. Soll etwas günstiger erscheinen, muss es nur in Relation zu etwas vergleichsweise Teurem gestellt werden. Etwa eine Hauptspeise, die im Restaurant für 25 Euro angepriesen wird, erscheint nicht gerade günstig. Stehen auf derselben Seite der Speisekarte aber weitere Gerichte, die 50 Euro kosten, erscheint das im Vergleich schon wieder als günstige Alternative.

So setzt du Nudging für deine Ziele ein

“Du kannst das Nudging ganz bewusst zu einer Hilfe für dein mentales Training machen.”

Jetzt stellst du dir vielleicht die Frage – was hat das alles mit mir zu tun und wie kann mir das im Mentaltraining helfen? Die Antwort ist ganz einfach – du kannst die Erkenntnisse aus dem Nudging natürlich auch für deine Zwecke einsetzen. Du kannst das Nudging ganz bewusst zu einer Hilfe für dein mentales Training machen. Wie das funktioniert? Hier zwei Beispiele aus dem Alltag:

Mehr Wasser trinken

Vielleicht geht es dir wie mir und es fällt dir schwer, die empfohlene Tagesmenge von 2 Litern Wasser pro Tag zu trinken. Du hast dir vorgenommen, das zu ändern. Du weißt, dass du aus Bequemlichkeit und weil du oft viel Stress um die Ohren hast vergisst, dir ein Glas Wasser zwischendurch zu gönnen. Du nutzt die Erkenntnis, dass etwas, das unmittelbar greifbar ist, auch eher genutzt wird.

Also stellst du dir einen Wasserkrug neben deinen PC auf den Schreibtisch. Oder eine Flasche in einem coolen Design. So bleibt das Wasser in deinem Blickfeld und du wirst ganz automatisch an das trinken erinnert. Außerdem kommst du deiner Bequemlichkeit entgegen, denn nebenbei fällt der Weg zum Wasserhahn erst einmal für eine Weile weg. So greifst du viel leichter und öfter zu einem Glas Wasser und trinkst quasi „nebenbei“, was du dir vorgenommen hast.

Mehr Obst essen

Ein anderes Beispiel aus dem Alltag – gesunde Ernährung. Wir alle wissen, dass wir täglich eine Portion Obst essen sollten. Um diese gesunde Gewohnheit zu fördern können wir uns selbst beobachten und finden dabei vielleicht heraus, dass wir gerne zu frischem Obst greifen, wenn es appetitlich angerichtet in Reichweite liegt. Doch der Aufwand für den täglichen Einkauf, das Waschen, Schneiden und servieren ist uns vielleicht zu aufwendig und unsere Bequemlichkeit siegt am Ende. Die clevere Alternative: Wir kaufen im Supermarkt regelmäßig eine Auswahl unterschiedlicher Obstsorten. Frisch geschnitten und appetitlich angerichtet. Zugegeben – das kostet zwar ein paar Euro, dafür sparen wir uns die Arbeit. Sobald es auf unserem Schreibtisch steht, steht dem gesunden Naschen nichts mehr im Weg.

“Mit nudging nutzt du kleine Ursachen für große Wirkungen und machst deinen inneren Schweinehund zum Verbündeten.”

Entscheidend dabei ist, dass du dein Verhalten und deine Gewohnheiten kennst, damit du sie gezielt nutzen kannst. Ausgerüstet mit den Informationen aus diesem Blog fällt dir sicher noch die eine oder andere Anwendung ein, um deine Ziele zu erreichen. Betreibe Self-Nudging und „stupse“ dich selbst in die richtige Richtung.

Teile deine Ideen und praktischen Erfahrungen in den Kommentaren zu diesem Blog oder im Forum und inspiriere dadurch andere auf ihrem Weg zu mentaler Stärke.

Viel Erfolg!

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

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