Mentale Energie – die wichtigste Ressource unseres Geistes?

Wir alle haben das schon erlebt – wenn wir ausgeruht sind und guter Stimmung, dann fühlen wir uns mental gestärkt. Oder wenn wir die Begeisterung für etwas spüren, das in uns brennt und das uns Spaß macht. Oder in Augenblicken, in denen wir schlicht und einfach glücklich sind. Dann fühlen wir uns auch mental stark. In solchen Augenblicken sprudeln wir vor kreativen Einfällen und guten Ideen. Anders sieht es aus, wenn wir niedergeschlagen sind, müde oder ausgelaugt, wenn wir frustriert sind, gestresst oder schlicht überfordert. Dann fühlen wir uns auch im Kopf leer und ausgebrannt. Lässt sich dieses mentale Energiereservoir vergrößern oder trainieren? Können wir lernen, einen Vorrat an mentaler Energie zu speichern? Erschöpft sich unsere mentale Energie immer gleich schnell und wenn nicht – was lässt uns diese Energie unterschiedlich schnell verbrauchen? Wodurch können wir wieder mentale Energie tanken?

Versuchungen kosten Kraft

Jedes Mal, wenn du bewusst einer Versuchung widerstehen willst, kostet dich das eine Menge mentale Energie

– und zwar weit mehr, als du normalerweise für andere Dinge im Alltag aufbringen musst. Wenn du schon einmal versucht hast, eine Gewohnheit zu ändern – etwa das Rauchen aufzugeben, verführerischen Süßigkeiten zu widerstehen, abzunehmen oder regelmäßig Sport zu machen – dann weißt du, wieviel Kraft das kosten kann. Man hat dieses Phänomen bereits in Studien untersucht und herausgefunden, dass Menschen, die einer Versuchung widerstehen konnten, anschließend besonders anfällig für andere Versuchungen waren. Sie konnten unmittelbar danach nicht mehr genügend Kraft aufbringen, um diesen Versuchungen zu widerstehen.

Daher ist es in so einem Fall nützlich, sich gezielt mentale Verhaltensstrategien zu erarbeiten, die dann weitgehend automatisiert ablaufen. So sparst du Energie und die Wahrscheinlichkeit, willensstark zu bleiben steigt erheblich. Routinen sind eine weitere effiziente Strategie, die unser Gehirn entwickelt hat, um Energie zu sparen. Was wir routinemäßig durchführen, erfordert keine Achtsamkeit und kein abwägen von Entscheidungen. Während wir im „Auto-Modus“ unsere Tätigkeit ausführen, bleibt Energie, um parallel etwas anderes zu tun. Während du auf der Autobahn gemütlich dahinfährst, kannst du deinen Gedanken nachhängen, Pläne schmieden oder für die Zukunft planen.

Lässt sich mentale Energie speichern?

Normalerweise lässt sich mentale Energie nicht direkt sammeln. Mit einer mentalen Technik, die du auf meiner Seite findest, kannst du dir einen Vorrat anlegen. Einfluss auf deinen mentalen Energiehaushalt kannst du auch durch kleine Änderungen in deinem Lebensrhythmus nehmen. Indem du etwa ab und zu bewusst auf nächtliche Arbeitssitzungen am PC oder lange Fernsehabende verzichtest. Wenn du dann noch am Abend das üppige Abendessen ausfallen lässt oder nur eine kleine Portion zu dir nimmst, kann sich auch dein Gehirn in der Nacht besser regenerieren.

Abgesehen davon kannst du lernen, deinen Geist durch geeignete Meditations- und Entspannungstechniken gezielt zu trainieren. Damit können wir uns mental stärken, denn beides senkt das Aktivitätsniveau und stärkt die parasympathischen Anteile deines Nervensystems. So kannst du mit Ereignissen und Gedanken, die dich heute noch intensiv berühren, viel gelassener umgehen und sparst so merklich mentale Energie. Auch die Fähigkeit, belastende Gedanken loslassen und quälende Gedankenschleifen beenden zu können, um den Kopf frei zu bekommen, bringt dir merklich Energie und Lebensqualität zurück. Unterschiedliche Techniken dazu findest du auf meiner Seite.

Mentale Erholung erreichst du auch ganz einfach, wenn du dir Zeit nimmst um die Dinge zu tun, die du gerne machst und genießt.

Eine Tour mit dem Rad, ein Spaziergang durch den Wald, entspannt Musik hören oder in deinem Lieblings-Café abhängen. Das alles kann deine mentalen Ressourcen wieder aufladen. Vor allem die Natur hat hier eine sehr ausgleichende und erholsame Wirkung.

Welche Gehirnfrequenz darf es denn sein?

Unsere Gehirnwellen geben uns einen Hinweis auf das aktuelle Aktivitätsniveau unseres Gehirns, da sie Schwankungen der elektrischen Spannung innerhalb unseres Denkorgans darstellen. Je nachdem, in welchem Zustand du dich gerade befindest (wach, entspannt, meditierend, schlafend, …), schwingen deine Gehirnwellen in unterschiedlichen Frequenzbändern. Mit einem EEG lassen sich diese Spannungsschwankungen messen, aufzeichnen und unterscheiden.

Abhängig von deinem mentalen Zustand spielt sich unsere Gehirnwellenaktivität vorwiegend im Frequenzbereich von 0 bis 40 Hz ab. Dabei werden die Gehirnwellen grundlegend in folgende Frequenzbänder eingeteilt:

Delta – tiefer Schlaf, Komaähnlicher Zustand

Dieser Bereich, der zwischen 0,2-3 Hz angesiedelt ist, ist ein Bereich, in dem wir Zugang zu einer erweiterten Wahrnehmung haben. Unbewusste Inhalte und Informationen tauschen sich mit bewussten Inhalten aus und können uns so zu neuen Einsichten und Erkenntnissen führen. In diesem Zustand wird unsere körperliche Regeration unterstützt. Unter anderem wird in diesem Zustand das Hormon DHEA ausgeschüttet.

Theta – Traumzustand, leichter Schlaf, REM-Phase, tiefe Entspannung

In diesem Bereich, der zwischen 3-8 Hz aktiv ist, hat unsere kreative Seite das Sagen. Wir verarbeiten lebhafte Eindrücke und Erinnerungen und können spontane Lösungen für Probleme finden – die meisten „Aha- Erlebnisse“ und Geistesblitze sind hier angesiedelt.

Alpha – leichte Entspannung, Kreatives Denken und Leichtigkeit im Handeln, Flow

In diesem Bereich zwischen 8-12 Hz sind wir besonders offen für neue Lernerfahrungen. Du kannst es dir wie einen leichten Tagtraum vorstellen. Dabei können wir gut Erinnerungen speichern und abrufen und lernen leicht. Der Alpha Zustand bildet eine Verbindung zwischen dem Theta und dem Beta Bereich. Dabei werden Eindrücke der Äußeren Welt und der Inneren Welt miteinander verbunden. Das kann zu einer spielerischen Leichtigkeit und Unbeschwertheit bei der Ausführung schwieriger Handlungen führen. Im Alpha Zustand werden auch Botenstoffe freigesetzt, die unsere Stimmung positiv beeinflussen (z.B. Serotonin). Nach meiner Ansicht ist der „Flow“ Zustand hier angesiedelt.

Beta – Aufmerksam und konzentriert, der normale Wachzustand im Alltag

Im Bereich zwischen 12-38 Hz sind wir ganz im alltäglichen Wachbewusstsein angekommen. Hier agieren und Denken wir, bewältigen Aufgaben und planen bewusst, um Probleme zu lösen. Hier sind wir zwar fokussiert, können uns aber auch leicht verausgaben und in bestimmte Ideen „festfahren“. Hohe Beta Wellen können auch Anzeichen für Stress oder Angst sein.

Gamma – Sehr hohe Konzentration und scharfe Wahrnehmung

Der Zustand in diesem Bereich, der zwischen 38 – 100 Hz angesiedelt ist, ist bisher noch kaum erforscht, da nur wenige Menschen unter kontrollierten Bedingungen bewusst in den Gamma Zustand wechseln können. Durch eine sehr intensive Fokussierung und Konzentration wird vermutet, dass hier außergewöhnliche Spitzenleistungen erbracht werden können. Oft wird dieser Zustand auch als mystische und transzendente Erfahrung erlebt. Das Ich-Bewusstsein tritt in den Hintergrund und man fühlt sich mit dem gesamten Universum verbunden. Ein Gefühl der tiefen Gelassenheit und des Glücklich-seins kann sich einstellen. Durch regelmäßige Meditation lässt sich dieser Zustand bewusst entwickeln und trainieren.

Du siehst also – du kannst auf viele Arten gezielt Einfluss auf deine „mentalen Muskeln“ nehmen, um sie zu trainieren und zu stärken. Setze dir ein Ziel und bleib dran.

Ich wünsche Dir viel Erfolg dabei!

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

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