Jetzt nicht!

Neulich im Supermarkt. Ein kleines Kind schreit. Es weint, tobt und quengelt, stampft auf den Boden und hält dabei eine Süßigkeit oder etwas anderes, das seine Aufmerksamkeit geweckt hat, fest in seinen Händen. Der Vater oder die Mutter – sichtlich um Entspannung bemüht, versucht mehr oder weniger unmissverständlich klar zu machen: „Das brauchst du nicht. Nein, das nehmen wir nicht mit! Das hast du schon zu Hause. Jetzt nicht!“ Aber wie damit umgehen? Hart bleiben, nachgeben oder das Kind ablenken? Wenn du selbst Vater oder Mutter bist, wirst du solche – oder ähnliche Momente vielleicht schon selbst erlebt haben.

Kleiner Impuls – große Wirkung

Obwohl nur ein kurzer Impuls das Drama ausgelöst hat, sind die Kleinen dann teilweise recht vehement dabei, um diese Belohnung zu kämpfen. Ihnen fehlt meist noch etwas, das wir teilweise erst als Erwachsene entwickeln – das Zauberwort heißt „Impulskontrolle“.

Ist Willenskraft – oder besser gesagt „Selbstbeherrschung“ ein entscheidender Faktor für Erfolg im Leben? Dieser Frage ist auch Walter Mischel in einem Experiment mit Kinder nachgegangen, das später als „Marshmallow-Test“ bekannt wurde. Dabei teilte der Versuchsleiter dem jeweiligen Kind in einer Einzelsitzung mit, dass er für einige Zeit den Raum verlassen würde. Das Kind konnte ihn jederzeit durch ein Signal zurückrufen und dann würde es einen Marshmallow erhalten. Wenn es aber geduldig warten würde, bis der Versuchsleiter von selbst zurückkehren würde, dann winkten ihm als Belohnung zwei Marshmallows. Geduldiges Warten verdoppelte also die mögliche Belohnung. Wenn das Kind die Glocke nicht vorzeitig betätigt hatte, dann kehrte der Versuchsleiter im Schnitt nach etwa 15 Minuten zurück. In einem abgewandelten Versuch wurde die Aufgabe sogar noch weiter verschärft, indem man dem Kind die Süßigkeit direkt vor die Nase stellte und in Aussicht stellte, dass es als Belohnung ein zweites Stück bekommen würde, wenn es bis zur Rückkehr des Versuchsleiters der Versuchung widerstehen würde.

Die Auswertung alle Experimente kam zu demselben Schluss. Je länger es ein Kind geschafft hatte, der Versuchung zu widerstehen – je größer also seine Selbstdisziplin war – umso kompetenter wurde es später im sozialen und schulischen Bereich wahrgenommen. Es konnte besser mit Stress und Frustration umgehen und zeigte generell öfter eine höhere Leistungsfähigkeit. Impulskontrolle scheint also unterschiedlich gut in uns ausgeprägt zu sein.

Versuchungen lauern an jeder Ecke

Als Erwachsene sollten wir uns deutlich besser unter Kontrolle haben. Aber oft geht es uns dabei wie den Kindern im Marshmallow Test. Wir kämpfen mit Versuchungen. Die lauern an jeder Ecke und diesmal gibt es niemanden – außer uns selbst – der uns davon abhalten könnte. Ganz im Gegenteil – wird uns etwas verboten – wollen wir es nur umso mehr. Da stellt sich die Frage: Die Schokolade genießen oder lieber etwas Gesundes Essen? Die Lieblingsserie streamen oder Sport machen? In der Früh noch etwas länger liegen bleiben, oder doch früh aufstehen und die Zeit produktiv nutzen? Shoppen gehen oder darauf verzichten?

Ich kann allem widerstehen, nur der Versuchung nicht.

Oscar Wilde

Versuchungen sind meistens nur kurze, mehr oder weniger intensive Impulse, die uns zum Handeln verleiten wollen. Ein blitzartiges „Ich will es haben. Jetzt!“. Ob du ihnen widerstehen kannst, hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. In welcher physischen und mentalen Verfassung du dich gerade befindest. Ob du erschöpft bist, oder ein Commitment – also ein bewusstes inneres Bekenntnis zu dem hast, was du tust. Und ob du dir eine mentale Strategie – eine Alternative erschaffen hast, auf die du deine Aufmerksamkeit lenken kannst.

Willenskraft lässt sich trainieren

Aber eines ist sicher – Selbstkontrolle und Willensstärke lässt sich gezielt trainieren und verbessern durch mentales Training. Mit den richtigen Methoden, Strategien und Techniken bestimmst du, wo es langgeht. Wenn du es richtig machst, kosten dich Versuchungen nicht nur Kraft, du kannst sogar Energie aus ihnen gewinnen. Dann schaffst du es, die einflüsternde innere Stimme immer öfter mit einem klaren „Jetzt nicht!“ in ihre Schranken zu weisen. Das kann dir auch den entscheidenden Vorsprung im Berufs- und Privatleben verschaffen.

Ohne Fleiß kein Preis!

Dieses bekannte Sprichwort beinhaltet auch den unausgesprochenen Rat „…und halte die Versuchungen auf Abstand!“

Wir wissen alle – Erfolg wird uns nicht geschenkt. Der Weg dorthin ist oft hart und entbehrungsreich. Auch mit Rückschlägen müssen wir umgehen lernen, während die vermeintlichen Belohnungen noch auf sich warten lassen. Um dran zu bleiben und letzten Endes erfolgreich zu sein – auch gegen innere und äußere Widerstände – dazu bedarf es einer guten Portion Willensstärke.

Jeder Versuch ist auch eine Versuchung. Aber nicht jede Versuchung ist auch einen Versuch wert.

Erhard Blanck

Ein Schlüssel zum Erfolg ist dabei, dass du gut mit dir selbst umzugehen lernst. Denn es geht auch darum, nicht unrealistische Ansprüche an dich selbst zu stellen. Es ist nicht nötig, jeder Versuchung zu widerstehen und jedes Mal einen eisernen Willen zu beweisen. Eine „Alles oder Nichts Einstellung setzt dich nur unnötig unter Druck und frustriert auf Dauer. Wichtig ist nur, im entscheidenden Moment richtig mit dem Impuls umzugehen. Wenn du es schaffst, in den meisten Fällen die Kontrolle zu behalten, dann hast du schon gewonnen.

Mit dem richtigen Training entwickelst und stärkst du nachhaltig deine Selbstkontrolle und bleibst auf deinem Weg. Ab und zu ein „Jetzt nicht!“ im entscheidenden Augenblick bringt dich deinen Zielen einen großen Schritt näher.

Wenn du die mentalen Muskeln deiner Willenstraft stärken willst, dann nimm Kontakt mit mir auf und lass uns gemeinsam daran arbeiten.

Viel Erfolg!

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.