In welchem Takt lebst du?

Wie schnell tickt deine innere Uhr?

Zeit ist eine kostbare Ressource. Doch zum Glück ist sie für alle fair verteilt. Jeder von uns hat dieselbe Zeit zur Verfügung. Vierundzwanzig Stunden, sieben Tage die Woche. Ja, es stimmt – wir leben unterschiedlich lange. Doch uns bleibt in der Regel trotzdem noch genug Zeit, um etwas Sinnvolles daraus zu machen. Obwohl sich unsere Arbeitszeit in den letzten 100 Jahren drastisch verkürzt hat, versuchen wir, immer mehr Aufgaben in die vorhandene Zeit zu quetschen. Die Folge: Wir können uns den einzelnen Dingen nicht mehr voll widmen, unsere Aufmerksamkeit sinkt rapide ab und der Stress steigt. Unser durchgeplanter Tag lässt uns kaum noch genug Raum und Muße um durchzuatmen.

Die Forschung hat sich längst mit der individuellen Zeitwahrnehmung beschäftigt und herausgefunden, dass Zeit nicht für jeden Menschen gleich schnell vergeht. Abgesehen von dem bekannten Phänomen, dass die Zeit für uns rasend schnell verfliegen, wenn wir etwas Schönes erleben, hingegen regelrecht dahin zu schleichen scheint, wenn wir uns mit langweiligen oder unangenehmen Dingen befassen müssen. Die Wahrnehmung unserer individuellen Zeit verändert sich auch mit fortschreitendem Alter. In der Kindheit und Jugend vergeht sie für uns generell langsamer, während sie im Alter schneller zu laufen scheint. Vielleicht mag das auch daran liegen, dass wir als Kinder noch leichter bei vielen Tätigkeiten ganz im „Hier-und-Jetzt“ aufgehen und in der Regel weniger von Terminen und Verpflichtungen getrieben sind, während wir im Alter immer mehr den Eindruck gewinnen, dass uns zu wenig Zeit bleibt, sie uns quasi „durch die Finger“ zu rinnen scheint.

Du machst dein inneres Tempo

Ein altes japanisches Sprichwort sagt:

„Wenn du es eilig hast, mache einen Umweg.“

Da lagen die alten Japaner gar nicht so falsch. Dein inneres Empfinden hat einen ganz entscheidenden Anteil daran, wie du deine Zeit wahrnimmst und ob du innerlich gehetzt versuchst, Schritt zu halten, oder ob du dein Tempo regulieren kannst und dich dabei wohl fühlst. Dazu ein kleines Beispiel. Stell dir vor, du gehst sehr schnell. Im ersten Fall, weil du bereits zu spät dran bist für eine wichtige Verabredung oder ein Meeting. Im zweiten Fall, weil du Nordic Walking machst und einen regelmäßigen Spaziergang gleich dazu nutzen willst, um frische Luft zu schnappen und etwas für deine Fitness zu tun.

In beiden Fällen gehst du schnell, doch das Gefühl ist durch die Umstände und dein Mindset ein völlig anderes! Denn im ersten Fall fühlst du dich gehetzt, spürst vielleicht einen unangenehmen Druck in deinem Magen und die Gedanken an die negativen Folgen deines zu späten Erscheinens kreisen beunruhigend in deinen Geist.

Im zweiten Fall betrachtest du es als eine angenehme körperliche Herausforderung. Der Kontext ist für dich ein völlig anderer, und es fühlt sich für dich daher auch ganz anders an! Kein Stress, kein flaues Gefühl im Magen, kein Empfinden des gehetzt-seins, keine Schuldgefühle. Im Gegenteil – du fühlst dich gut, weil du etwas für deine Fitness getan hast.

Du kannst durch den inneren Kontext, den du dir erschaffst bestimmen, wie du eine Situation empfindest und mit ihr umgehst.

Du kannst diese Technik bewusst anwenden, um deine innere Gelassenheit zu stärken. Wenn du wirklich einmal zu spät dran bist, versuche den Bedeutungsrahmen zu ändern. Betrachte den Sinn des Gehens (oder Fahrens) selbst unter einem ganz anderen Gesichtspunkt. Dein Körper und dein Geist werden prompt darauf reagieren. Wenn du bereits auf dem Weg bist, kannst du sowieso kein Wunder mehr bewirken, du tust ja bereits dein Bestes, um den vereinbarten Termin mit der geringstmöglichen Verzögerung einzuhalten. Wenn du dich dabei innerlich noch permanent antreibst und in Panik versetzt, wirst du dadurch nicht schneller. Falls zu spät kommen bei dir Methode hat, macht es Sinn, dein Zeitmanagement zu verbessern und bewusst an den Ursachen zu arbeiten, die möglicherweise dahinterstehen.

So kannst du deinen Takt beeinflussen

Wodurch kannst du deinen inneren Takt regulieren? Nachfolgend habe ich dir 7 praktische Tipps für den Alltag zusammengestellt.

1. Starte ruhig in den Tag

Dein Start in den Tag bestimmt das Tempo. Wenn du auf den letzten Drücker aus dem Bett springst und das Haus verlässt, beginnst du deinen Tag bereits im Turbo-Modus. In der Hektik vergisst du vielleicht etwas, versuchst noch genervt den Bus zu erwischen (oder die passende Ausfahrt) und kommst bereits abgekämpft im Büro an. Damit hast du deinen Körper auf Eile gestellt und dein Gehirn in Alarmbereitschaft versetzt. Hier kannst du bereits ordentlich Tempo rausnehmen. Stell dir den Wecker etwas früher, dann kannst du in Ruhe aufstehen, vielleicht noch gemütlich ein kleines Frühstück genießen. Dein Weg zur Arbeit ist entspannt und die Chancen stehen gut, dass du diese ruhige Stimmung auch in den ganzen Arbeitstag mitnehmen kannst.

2. Meide hektische Menschen

Du kennst sie sicher auch – die netten Kollegen und Freunde, die in fast jeder Situation Hektik verbreiten und permanent unter Strom stehen. Oft ist das unbegründet (Vielleicht willst du ihnen diesen Blog ans Herz legen)? So ein Verhalten steckt leicht an. In der Gegenwart solcher Menschen werden wir unmerklich dazu verleitet, ebenfalls in Hektik zu verfallen.

3. Nimm dir Zeit, um ruhig und bewusst zu essen.

Achte darauf, langsam und bewusst zu essen. Nimm dir genügend Zeit, um ausreichend zu Kauen und nimm den Geschmack und die Konsistenz deines Essens bewusst wahr. Wenn du im Stehen zwischendurch isst, kann dein Gehirn nicht mehr richtig wahrnehmen, ob du satt bist. Ruhig zu essen kann viel Tempo rausnehmen.

4. Gönne dir kleine Pausen zwischendurch

Wenn du runterkommen willst, unterbrich bewusst dein aktuelles Tempo. Mache kleine Pausen zwischendurch. Lass deinen Blick aus dem Fenster schweifen, zelebriere deine Tasse Tee oder Kaffee, genieße ganz bewusst jeden Schluck. Wenn es möglich ist, ziehe dich an einen Ort zurück, wo du für einige Minuten die Stille genießen kannst.

5. Zeichne!

Nimm dir einen kleinen Zettel zur Hand und zeichne einfach drauflos. Wenn du willst, kannst du auch ein Malbuch für Erwachsene verwenden. Dabei geht es nicht darum, bestimmte Motive zu zeichnen. Bringe einfach kleine geometrische Muster aufs Papier, die du jederzeit nebenbei zeichnen kannst. Kleine Kreise, Rauten oder Quadrate fördern die Entspannung und unterstützen deinen Geist dabei, einen Gang runterzuschalten und ruhiger zu werden.

6. Genieße ruhige Musik

Stelle dir eine Playlist von Musikstücken auf deinem Handy zusammen, die beruhigend und Entspannend auf dich wirken. Wenn du bemerkst, dass ein Gefühl der Hektik aufkommt, ziehe dich für ein paar Minuten zurück und lasse deine Unruhe von ruhiger Musik forttragen.

7. Mache eine Smartphone & Social-Media Pause

Gehörst du auch zu den Menschen, die alle paar Minuten ihren Facebook Account checken und sich auf unterschiedlichen Social-Media Plattformen einloggen aus Angst, etwas Wichtiges zu verpassen? Tippst du dir beim Schreiben von SMS oder WhatsApp Nachrichten manchmal die Finger wund? Tue dir etwas Gutes und versuche das bewusst zu reduzieren. Denn es zerstreut nicht nur deine Aufmerksamkeit, sondern bringt dich permanent in ein unbewusstes, drängendes Gefühl, „etwas“ zu versäumen. Nicht alles, was in den digitalen Kanälen produziert wird ist wichtig oder muss sofort gelesen, kommentiert und „geliked“ werden. Setze dir zwischendurch bewusst Auszeiten, um deinen Geist zu entspannen und zu fokussieren. Das kann sehr wohltuend sein.

Ich wünsche dir viel Erfolg bei der (Wieder-)Entdeckung der Langsamkeit.

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

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