Glaube wird Realität

Hast du schon einmal von Sir Francis Galton (1822 – 1911) gehört? Er war ein herausragender Gelehrter seiner Zeit und ein Vetter Darwins. Neben vielen anderen Themen der Psychologie beschäftigte er sich auch mit der Macht der Gedanken. Als praktisch veranlagter Wissenschaftler entwickelte er dazu einen interessanten Selbstversuch.

Überzeugungen werden Realität

Er wollte herausfinden, ob negative und positive Überzeugungen und Gedanken einen messbaren Einfluss auf das eigene Leben hatten. Seine Annahme war simpel. Bevor er zu seinem täglichen Morgenspaziergang durch London aufbrach, konzentrierte er sich und stellte sich dabei intensiv vor: „Ich bin der meistgehasste Mensch Englands!“ Er versenkte sich mehrere Minuten in diesen Gedanken und verlies anschließend das Haus. Er wollte wissen, ob Menschen im Gespräch mit ihm anders auf ihn reagieren würden.

Glaub dir selbst – dann glauben dir andere

Aber so weit kam er gar nicht! Denn noch bevor er mit jemandem sprechen konnte, nahm eine Kette seltsamer Ereignisse ihren Lauf. Einige Passanten, die er nicht persönlich kannte, riefen ihm Schimpfworte zu oder wandten sich mit deutlichen Gesten von Aggression und Abscheu von ihm ab, sobald sie ihn sahen. Ein Hafenarbeiter rempelte ihn im Vorbeigehen so hart an, dass Galton hinfiel und im Dreck landete. Sogar Tiere schienen eine Abneigung gegen ihn entwickelt zu haben. Denn als er später an einem Droschkengaul vorbeiging, schlug das Pferd ohne Vorwarnung aus und traf Galton dabei in die Hüfte, worauf dieser erneut zu Boden ging. Als es aufgrund dieses Vorfalls zu einem Menschenauflauf auf der Straße kam, bemitleidete die Menschenmenge schließlich das Pferd und beschimpfte Galton. Der bekam es jetzt endgültig mit der Angst zu tun. Er rannte auf dem schnellsten Weg nach Hause und verschloss atemlos die Tür hinter sich, um weiteres Unglück draußen zu halten. Als er sich wieder beruhigt hatte, zog er ein Resümee aus seinem Selbstversuch. Ohne, dass er auch nur mit einer Person gesprochen hatte, schien die ganze Stadt seine Selbstüberzeugung, dass er der meistgehasste Mensch Londons war, übernommen zu haben und reagierte entsprechend darauf. Erstaunlich!

Einige Tage später führte Galton einen weiteren Versuch durch. Doch diesmal verinnerlichte er das genaue Gegenteil – nämlich die Überzeugung, dass er der beliebteste und charmanteste Einwohner Londons war. Erneut prägte er sich das mehrere Minuten intensiv ein, bevor er sein Haus verließ. Auch diesmal geschah erstaunliches, und unterschiedliche Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten.

Unbekannte grüßten ihn auf der Straße, man gab ihm die Hand und umarmte ihn, winkte ihm freudig, lächelten ihn an und warf ihm freundliche Blicke und aufmunternde Gesten zu. Unbekannte Passanten kamen spontan mit ihm ins Gespräch und einige davon wollten ihn gar spontan auf ein Bier in das nächste Pub einladen. Galton war verblüfft. Was war geschehen?

Realität entsteht im Kopf

Die intensive Überzeugung über sich selbst war zur Wahrnehmung anderer geworden. Und das ganz handfest! Das ist auch der Grund, warum ich der Überzeugung bin, dass dein Mindset viel weitreichendere Folgen hat, als gemeinhin angenommen. Es richtet nicht nur dein Denken aus und bestärkt oder blockiert dich. Auf einer unbewussten Ebene der Kommunikation strahlst du nämlich deine Überzeugungen über dich, deine Fähigkeiten und die Welt im Allgemeinen aus und die Menschen in deinem Umfeld reagieren unbewusst darauf.

Vergiss alle Gründe, weshalb du scheitern könntest

Und konzentriere dich auf den Grund, warum du es schaffen kannst.

Die Psychologie kennt dieses Phänomen auch unter der Bezeichnung „Pygmalion-Effekt“. Im klassischen Aufbau des Experimentes erzählte man Lehrern einer Grundschule, dass es sich bei einigen ihrer Schüler um sehr begabte Kinder handeln würde, die unmittelbar vor einem Durchbruch in ihren Leistungen und in ihrer Entwicklung standen und im nächsten Schuljahr großes leisten würden. In Wirklichkeit waren die Schüler rein zufällig ausgewählt worden.

Man führte am Anfang des Versuchs einen IQ-Test mit ihnen durch und acht Monate später zur Kontrolle erneut. Dabei fand man heraus: Die Vorannahmen der Lehrer hatten eine signifikante Wirkung auf die Leistungen und die Entwicklung der Kinder. Der Fortschritt im IQ-Test fiel deutlich größer aus, als bei allen restlichen Schülern. Die Einstellung und die Erwartungen, die die Lehrer an diese Schüler hatten, führte dazu, dass sie sich tatsächlich so entwickelten, als wären sie besonders talentiert.

Erkenntnisse daraus

Was lässt sich daraus ableiten? Fassen wir zusammen: andere Menschen bemerken die Einstellung, die du über dich selbst hast, übernehmen sie und verhalten sich dir gegenüber entsprechend. Das ist auch der Grund, weshalb ein Mindset und Glaubenssätze eine Wirkung nicht nur auf dich und deine Gedanken haben, sondern auch auf alle Menschen in deinem Umfeld.

Förderst du ein positives Selbstbild von Dir, werden dich auch andere Menschen so behandeln. Deine Gedanken bestimmen die Rolle, die du für andere Menschen einnimmst. Du veränderst damit die Realität mit deinen Gedanken und Überzeugungen. Wann du damit startest, liegt ganz bei dir. Also – fang damit an, dich neu zu denken. Aus ersten Schritten wird ein Weg. Aus dem Weg wird ein Ziel. Aus deinem Ziel wird eine neue Realität.

Weitere Anregungen zu diesem Thema findest du auch in meinem Blog Glaub an dich! Du willst dein Mindset verändern und an deinen Glaubenssätzen arbeiten? Dann nimm Kontakt mit mir auf.

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.