Geist über Materie?

Jeden Tag findet ein stiller Kampf in deinem Inneren statt. Zwischen den Reizen der Verführungen, die von deiner Umgebung ständig auf dich einprasseln – und den Dingen, die du dir vorgenommen hast zu tun. Bei diesem Kampf stehen sich zwei harte Kontrahenten unversöhnlich gegenüber: in der linken Ecke der Champion – dein Geist. In der rechten Ecke der Herausforderer – die Materie. Und die bringt auch einiges an Schlagkraft mit. Aber schauen wir uns das etwas genauer an.

Die zentrale Frage lautet – wer beherrscht hier wen? Kontrolliert dein Geist die Versuchungen, oder ist es eher umgekehrt – wirst du von unterschiedlichen Versuchungen vereinnahmt? Oder endet das Match am Ende vielleicht ausgeglichen in einem Unentschieden? Am Ende liegt wahrscheinlich einer der beiden auf den Brettern oder gibt sich geschlagen.

Du weißt meistens ganz intuitiv, was dir guttut, und was du daher eher tun oder lassen solltest. Gesünder essen, Sport betreiben, Gelassener bleiben, Gewohnheiten verändern, abnehmen, weniger im Internet surfen, einen Spaziergang machen, ein neues Buch lesen, an deiner Persönlichkeit arbeiten, mehr Zeit mit deinem Partner verbringen, täglich ein wenig meditieren oder vielleicht bewusst entspannen.

Licht und Schatten

Was auch immer es ist – die Liste kann recht lang sein und immer geht es dabei um Dinge, die du entweder tun oder lassen solltest. Was das genau ist, orientiert sich an deinem Selbstbild und daran, was du als gesund, gut, angesagt, sinnvoll und erstrebenswert erachtest. So stellt sich das ein Teil in dir zumindest vor. Aber da gibt es auch den fiesen Gegenspieler, die Schattenseiten in dir. Ich habe den Herausforderer vorhin „die Materie“ genannt. Damit meine ich in Summe all das, was dich daran hindern will, dein Ding durchzuziehen. Die Verlockung, doch noch etwas Süßes zwischendurch zu essen, faul auf der Couch sitzen zu bleiben, das Training sausen zu lassen, deine Zeit mit Nebensächlichkeiten zu verbringen oder deine guten Vorsätze zu brechen. Oder zumindest heute einmal auszusetzen.

Diese Schlacht wird in deinem Kopf entscheiden.

Wie gut (oder schlecht) du dich am Ende dabei fühlst, wenn du etwas Bestimmtes umsetzt oder einer Versuchung erlegen bist, das entscheidet dein Mindset. Doch dein Selbstbild und dein damit verknüpftes Mindset entstehen nicht über Nacht – sie bilden sich im Laufe deines Lebens heraus. Dabei sind sie nicht in Stein gemeißelt – du hast sie erschaffen, und du kannst sie daher auch verändern, wenn du das willst.

Gibt es ein „gut genug“?

Wenn du im Laufe deines Erwachsenwerdens mit einer kritischen Stimme in deinem Kopf groß geworden bist, oder deine Eltern oder andere wichtige Bezugspersonen sehr hohe Anforderungen an dich gestellt haben, die du kaum erfüllen konntest, dann kann die Überzeugung in dir entstanden sein, dass du nicht gut genug bist. Du wirst vielleicht ein Perfektionist sein, mit bestens ausgearbeiteten Plänen, endlosen To Do Listen und Zielen. Du wirst dir dann vielleicht weiterhin sehr hohe Ziele stecken, aber selbst, wenn du Teile davon erreichst, bleibt doch immer etwas ungetan und das Gefühl, „etwas“ nicht geschafft zu haben, ist dein ständiger Begleiter. Du bleibst dann ein ewig Getriebener. Im schlimmsten Fall kann es dazu führen, dass sich selbst deine größten Erfolge nicht so anfühlen.

Wenn du so denkst, dann machst du dir auf Dauer selbst das Leben schwer und deine Erfolge mies. Eine solche Einstellung zu verändern erfordert Zeit und ein neu Bewerten vieler mentaler Details. Aber es gibt ein paar Dinge, an denen du ansetzen kannst, um die „Materie“ auszuknocken, oder dich zumindest versöhnlicher mit ihr zu stellen. Ein paar dieser Ansätze will ich dir hier vorstellen. Vielleicht inspirieren sie dich bei deinem täglichen Kampf gegen die Versuchungen.

Freu dich!

Es klingt banal, aber – freue dich bewusst über die Dinge, die du geschafft und abgeschlossen hast! Egal wie klein sie auch sein mögen.

Selbst der kleinste Erfolg ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Auf den ersten Schritt folgt der nächste, und der nächste…und du kommst damit deinem Ziel immer wieder ein Stückchen näher. Manchmal neigt man dazu, einen bestimmten Zustand als perfekt zu betrachten. Aber alle Dinge sind im Fluss, in der Entwicklung. Ich kenne viele Menschen, die etwas erschaffen oder getan haben und davon überzeugt waren, dass es perfekt war. Es gab nichts mehr hinzuzufügen, oder zu sagen. Doch einige Jahre später sah die Sache schon ganz anders aus. Der Mensch hatte sich verändert, war gewachsen, hat neue Erfahrungen gesammelt und Erkenntnisse gewonnen. Und aus diesem neuen Blickwinkel hatte sich sein Bild von Perfektion ebenfalls verändert. Also – gut ist gut genug!

Erlaube dir, zu genießen

Manchmal ist man der Meinung, etwas muss erst hart und besonders anstrengend sein, um etwas wert zu sein. Es muss schwer sein, damit man sich am Ende darüber freuen darf. Da stellt sich mir die Frage – wer sagt das (außer vielleicht du selbst)? Du darfst dir auch erlauben, etwas zu genießen.

Du darfst Spaß haben, ohne verbissen zu sein.

Anstrengung und der Genuss dabei dürfen gute Kumpels sein. Wenn du dir das erlaubst, dann verbringst du deine Zeit vielleicht auch mit etwas anstrengendem, herausfordernden. Aber es macht dir Spaß und begeistert. Das ist die mentale Energie, die du zur Umsetzung deiner Ziele brauchst. Dabei darf auch einmal etwas daneben gehen. Das gehört dazu – nobody is perfect. Der positive Nebeneffekt dabei – du lernst bedeutend schneller und bist viel motivierter. Ach ja, und der Flow wird viel wahrscheinlicher. Ich nenne das „genussvolles Wachstum“. Am Ende gewinnst du dabei – so oder so.

Scheitern ist notwendig

Wenn du dir die herausragendsten Menschen anschaust, oder deine Vorbilder, dann wirst du bei jedem – ohne Ausnahme eines feststellen: ihr Weg ist durch oftmaliges scheitern gekennzeichnet. Die Erfolgskurve verläuft nie nur nach oben. Sie bewegt sich immer in Wellen. Ein „Auf“ und „Ab“. Und das „Ab“ ist genauso notwendig wie das „Auf“. Denn durch Fehler und Niederlagen bekommen wir genauso wichtiges Feedback.

Jeder, der die höchsten Höhen erreicht hat, kommt von unten.

Du wüsstest nicht, was Erfolg ausmacht, wenn du nicht auch die andere Seite kennengelernt hättest. Du kannst dadurch rekapitulieren und reflektieren. Du schärfst deine Ziele und versuchst es erneut, diesmal vielleicht ein wenig anders. Genau das macht dich stark und katapultiert dich am Ende zum Erfolg – wenn du dranbleibst.

Also – bleib dran, geh liebevoll mit dir um und gestatte dir auch einmal einen Fehler, um zu lernen und dich zu entwickeln. Dann wirst du immer öfter den Kampf gegen die Materie gewinnen. Viel Spaß!

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.