Fehler – eine Chance zu wachsen

Fehler! Dieses Wort löst bei den meisten ein mulmiges Gefühl aus. Für mache ist es sogar ein wahrer Albtraum. Auf jeden Fall lässt es uns nicht kalt. Wir sind ja schon von klein auf mit Fehlern groß geworden und haben sie meist ganz und gar nicht als positive Erfahrung verinnerlicht. Schon in der Schule werden wir daran gemessen. Zu viele davon und unsere Noten rasseln in den Keller. Oben drauf gibt`s meist noch jede Menge Schuldgefühle, Stress und Selbstvorwürfe.

Später im Job geht es gleich weiter damit. Wir achten peinlichst genau darauf, möglichst wenig Fehler zu machen. Denn wir wollen ja gut dastehen im Team und dem Chef positiv auffallen! Wenn es dann doch einmal passiert, folgen oft Schuldzuweisungen, Rechtfertigungen oder gar Zurechtweisungen. Wobei Unternehmen teilweise eine unterschiedliche „Fehlerkultur“ leben. Diejenigen, die offen und progressiv damit umgehen, sind meist deutlich erfolgreicher.

Durch Scheitern zum Erfolg

Beim Versuch, die Glühbirne zu entwickeln, war Thomas Alva Edison anfangs kläglich gescheitert. Angeblich benötigte er an die 10.000 Versuche (!), bis er die genaue Beschaffenheit für den Glühfaden fand. Doch am Ende leuchtete sie – und brachte ihm ein Vermögen ein. Als er schließlich gefragt wurde, wie er mit seinem Scheitern umgeht, antwortete er:

„Ich bin nicht gescheitert, ich habe nur erfolgreich 10.000 Varianten entdeckt, die nicht funktionieren.“

Auch Winston Churchills Einstellung zu Fehlern ist eine Überlegung wert, als er meinte:

„Es ist ein großer Vorteil im Leben, die Fehler, aus denen man lernen kann, möglichst früh zu begehen.“

Sieh dich einmal in Ruhe um. Fast alles, was dich umgibt, wurde durch „Versuch und Irrtum“ entwickelt.

Fehler führten zu Innovationen. Das Scheitern führte zu Verbesserungen.

Das Ergebnis: all die praktischen und hilfreichen Dinge, die dich heute umgeben.

Markierungen im Gehirn

Du erinnerst dich wahrscheinlich noch gut an deine größten Fehler (oder das, was du als solche empfindest). Dabei können sie schon viele Jahre – oder gar Jahrzehnte – in der Vergangenheit liegen. Wieso sind sie noch immer so präsent in unserem Geist? Ganz einfach – solche Augenblicke werden von sehr intensiven Emotionen begleitet. Angst, Stress, Schuldgefühle, Selbstzweifel, Traurigkeit, das Gefühl von Kontrollverlust und Minderwertigkeit. Diese starken Emotionen fungieren wie „Gedächtnismarker“ in unserem Gehirn und „brennen“ das Erlebnis quasi unmittelbar in unser Langzeitgedächtnis ein. Damit soll sichergestellt werden, dass wir es nicht vergessen – um es das nächste Mal besser zu machen. Mit geeigneten Techniken lassen sich sehr belastende Erinnerungen mildern oder sogar ganz löschen. Doch abgesehen davon gibt es vier Dinge die du tun kannst, um mit Fehlern gelassener umzugehen und sie als eine Chance für deine Entwicklung zu nutzen:

1. Entspanne dich

Führe eine geeignete Entspannungstechnik durch. Du findest eine große Auswahl auf meiner Seite. Damit kommst du schneller „runter“, kannst die Situation besser einschätzen und leichter deine nächsten Schritte planen. Denn wenn du im ersten Moment dazu neigst, hektisch zu agieren, kann es leicht passieren, dass du die Sache ungewollt verschlimmerst.

2. Ermittle deinen persönlichen Anteil

Vielleicht hast du schon im Vorfeld falsche Informationen und Daten erhalten? Oder dir haben grundlegende Ressourcen zur Lösung gefehlt? Möglicherweise waren die Rahmenbedingungen und Vorgaben einfach unrealistisch? Wenn du nach ruhiger Überlegung zu der Überzeugung gelangst, dass die Ausgangsbedingungen eine bessere Lösung verhindert haben, kannst du die Sache viel entspannter sehen. Du weißt jetzt, dass es nicht in deinen Händen lag, unter den gegebenen Umständen eine gute Lösung zu finden. Damit gewinnst du eine emotionale Distanz.

Betrachte den Anteil, der in deiner Macht stand und überlege dir, wie du in Zukunft anders damit umgehen kannst. Du hast konkrete Ideen, wie man Blockaden im System auflösen kann? Du kannst sie an passender Stelle deponieren? Gut! Falls das jedoch nicht möglich ist, macht es keinen Sinn, sich darüber zu ärgern oder Schuldgefühle zu haben.

Übernimm die Verantwortung für den Teil, den du beeinflussen kannst und akzeptiere, was du nicht beeinflussen kannst.

3. Korrigiere, was möglich ist

Mache dir bewusst – die wenigsten Fehler sind irreparabel. Zum Glück lassen sich die meisten teilweise oder sogar vollständig korrigieren! Überlege dir, mit welchen aktiven Maßnahmen du den Schaden am besten begrenzen kannst. Suche den Kontakt zu den Betroffenen und biete konkrete Hilfe an. Erarbeite gemeinsam Lösungen.

4. Gestehe Fehler ein

Wir alle machen Fehler. Wenn du versuchst, krampfhaft fehlerfrei zu erscheinen, forderst du damit andere geradezu heraus, Fehler bei dir zu suchen, zu finden und aufzuzeigen. Wie ein Wettbewerb unter dem Motto „sehen wir mal, wann wir ihn/sie erwischen!“ Es mag auch Menschen geben, die eine Genugtuung dabei empfinden, die Fehler anderer aufzuzeigen. Nimm ihnen den Wind aus den Segeln.

Wenn du tatsächlich etwas falsch gemacht hast und es ist offensichtlich geworden, bevor du es selbst korrigieren konntest, steh dazu. Klar ist das im ersten Moment unangenehm. Doch damit gehst du in die Offensive. Anstatt durch Verschweigen und Verheimlichen die Sache immer weiter wachsen zu lassen, gestehst du es ein, übernimmst Verantwortung und arbeitest an der Behebung mit.

Das zeugt von persönlicher Stärke, wirkt souverän und Selbstbewusst. Denn falls ein „unter den Teppich kehren“ früher oder später fehlschlägt (und das tut es in den allermeisten Fällen), bist du in einer deutlich schlechteren Position. Gehst du jedoch offen damit um, nimmst du die Dynamik raus und das Thema ist meist recht schnell gegessen.

Fehler machen für Fortgeschrittene

Bisher haben wir nur davon gesprochen, wie du mit Fehlern umgehen kannst, die du selbst gemacht hast. Was ist mit den Irrtümern der anderen? Wir haben einen großen Vorteil, den wir nutzen können: wir sind von Natur aus Meister der Beobachtung und Nachahmung. Das bedeutet:

Du musst nicht jeden Fehler selbst machen, um davon zu lernen!

Die Menschen in deinem Umfeld machen auch Fehler – jeden Tag. Und du kannst davon lernen! Mache es dir zur Gewohnheit, Situationen und Ereignisse aufmerksam zu beobachten und zu analysieren. Wie haben sich die beteiligten Personen verhalten? Wie ist es zu dem Fehler gekommen? Was hat ihn ausgelöst? Was war das Ergebnis? Trainiere deine Beobachtungsgabe und gewöhne dir an, deine Schlüsse daraus zu ziehen. Verbuche dieses Wissen als einen Erfahrungsschatz, der täglich wächst.

Es geht dabei nicht darum, Fehler bei anderen aufzuzeigen oder das „Haar in der Suppe“ zu finden. Es ist keine Schande, Fehler zu machen. Es ist nur ärgerlich, denselben Fehler mehrmals zu wiederholen. Das kostet Zeit, Energie und Ressourcen. Bleibe offen und lerne aus den Fehlern anderer. Solltest du irgendwann einmal in eine ähnliche Situation geraten, hast du zumindest schon eine Ahnung, was funktioniert – und was du lieber bleiben lassen solltest.

Also – mache Fehler zu deinen Verbündeten und nutze sie als Ratgeber.

Viel Erfolg!

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