Es kostet gleich viel

Vera Birkenbihl, die weltbekannte Trainerin und Autorin startete bei ihren Vorträgen durch Deutschland in den 90er Jahren einen interessanten Versuch. Sie verteilte an alle Zuhörer ihrer Vorträge einen Zettel mit einer einfachen Frage. Darauf war zu lesen: Die Welt ist voller… Die Teilnehmer sollten diesen einfachen Satz vervollständigen mit dem, was ihnen spontan dazu einfiel.

Nimm dir einen kurzen Augenblick Zeit und vervollständige diesen Satz jetzt bitte für dich. Die Welt ist voller…

Hast du es? Gut!

Zurück zu Vera Birkenbihls Umfrage von damals. Das Ergebnis war verblüffend. Und es fiel in allen Städten etwa gleich aus. Etwa 80 Prozent wählten folgende Aussagen: Die Welt ist voller…Idioten, Nervensägen, Arschlöcher, und Ignoranten. Nur etwa 20 Prozent beendeten diesen Satz mit…die Welt ist voller Möglichkeiten, Chancen, Herausforderungen, Inspirationen, toller Menschen.

Ist das nicht erstaunlich? Den meisten Menschen kam als erstes in den Sinn, wie unangenehm und nervend ihre Mitmenschen waren! Der Ärger über das Verhalten solcher Störenfriede kam einer klaren Mehrheit spontan in den Sinn. Nur die Minderheit empfand diese Worte als Einladung, positiv zu denken. Ist das nicht erstaunlich?

Apropos – wie hast du vorhin den Satz vollendet?

Eine Frage der Energie

Kürzlich führte ich ein interessantes Gespräch mit einem guten Freund. Wir landeten schließlich beim Thema „Die Dynamik positiver Gedanken.“ Wir versuchten herauszufinden, warum so viele Menschen mit negativen Gedanken durchs Leben gingen. Plötzlich sagte mein Freund etwas, das mich sehr berührte. „Es kostet gleich viel!“ Ich bat ihn, das genauer zu erklären. Er sagte:

Egal, wie du deinen Denkrahmen ausrichtest, es kostet dich gleich viel mentale Energie.

Ist etwas eine frustrierende Belastung, oder eine interessante Herausforderung? Ist etwas langweilig, oder gibt es etwas darin zu entdecken? Es kostet genauso viel Kraft und Energie, sich vorzustellen, dass die Welt und die Umstände gegen einen sind, oder ob man umgekehrt Spaß, Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten hat. Nur unsere Denkgewohnheiten drängen uns dabei in die eine oder andere Richtung.“

Ich musste ihm Recht geben. Obwohl…wenn man es genau nimmt, kostet es nicht gleich viel Energie, denn negative Gedanken kosten dich Kraft und Spaß. Am Ende können sie dich den Erfolg kosten, und du bleibst weit unter deinen Möglichkeiten.

Warum neigen so viele Menschen dazu, das Negative viel stärker in den Fokus ihrer Aufmerksamkeit zu rücken, als das Positive? Was unsere Entscheidungen betrifft, sind wir dabei in einem Dilemma gefangen. Unser Denken findet auf zwei unterschiedlichen Ebenen statt – einer bewussten, und einer unbewussten. Wir pendeln dabei zwischen unserem Bewusstsein und den Reaktionen unseres Gehirns und Nervensystems. Was heißt das konkret?

Wenn wir in unserem Alltagsbewusstsein zwischen einer positiven und einer negativen Erfahrung und den damit verbundenen Gedanken und Gefühlen wählen können, dann tendieren wir oft dazu, uns bewusst für die negative Version zu entscheiden. Wir malen uns Horrorszenarien aus oder wie es wäre, zu scheitern. Viele von uns jammern gerne, beschweren sich über die Umstände oder schwelgen in Erinnerungen aus der Vergangenheit, als vermeintlich alles ein wenig besser war. Ob uns dabei einfach die Lust am Jammern antreibt, oder die vermeintliche Sicherheit, das Schlimmste vorwegzunehmen, um schließlich mit einem erleichterten Aufatmen festzustellen, dass es gar nicht so schlimm gekommen ist, lässt sich nicht pauschal beantworten.

Wenn wir aber unseren Unbewussten Anteilen die Wahl lassen, dann sieht es ganz anders aus. Wenn wir zum Beispiel unserem Gehirn gleichzeitig zwei Reize bieten – einen positiven und einen negativen, dann entscheidet sich unser Denkapparat zu über 90% für den positiven. Das passiert reflexartig und in wenigen Millisekunden, doch die Wahl ist eindeutig. Unser Gehirn ist also ein klarer Fan positiver Gedanken und Stimmungen. 

Du entscheidest

Wenn du also das nächste Mal wieder reflexartig dazu tendierst, alles schwarz zu sehen, halte einen kleinen Moment inne, unterbrich die Gedankenlawine, die sich aufbaut und erinnere dich – du hast die Wahl. Wofür willst du deine Gedankenenergie ausgeben? Für positive, bestärkende Gedanken und Bilder, oder für negative? Es kostet gleich viel. Wenn wir uns das ab und zu bewusst machen, dann schlagen wir mental ganz neue Wege ein. Wege, die das Fundament für mentale Stärke sind. Du hast die Wahl – es liegt an dir. Wenn du ein notorischer Schwarzseher bist, dann wird es anfangs sicher eine Herausforderung sein, die Gedankenkurve zu kratzen. Aber je öfter es dir gelingt, umso positiver kannst du über Ereignisse nachdenken. Mit der Zeit steigen deine Zuversicht und dein Selbstbewusstsein. Auch wenn nicht alles gleich auf Anhieb gelingt – du bist bereit, es noch einmal zu versuchen.

Wie würde mein Satz jetzt lauten? Die Welt ist voller interessierter Zuhörer, denen mein Blog gefällt. Zumindest bin ich davon überzeugt.

Viel Spaß und gute Gedanken!

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.