Erinnerungen gehen durch die Nase

Heute leben wir in einem Umfeld, das meistens von visuellen Reizen dominiert wird. Daher scheint die Macht der Düfte etwas in den Hintergrund getreten. Doch dieser Eindruck täuscht. Du hast sicher schon von den Redensarten gehört, dass jemand „die Nase voll hat“, oder dass man sich „nicht riechen kann“. Oder dass es gar „zum Himmel stinkt“ – also dass man über etwas verärgert ist. Das zeigt deutlich – Emotionen und Gerüche sind sehr eng miteinander verknüpft.

Wenn Emotionen in der Luft liegen

Was „in der Luft liegt“ erschafft Stimmungen und beeinflusst dein Denken viel stärker, als es auf den ersten Blick scheint. Denn viele deiner tiefsten Erinnerungen sind mit ganz bestimmten Gerüchen verknüpft. Sobald du diese Gerüche wahrnimmst, ruft dein Gehirn blitzschnell die dazu abgespeicherten Erinnerungen und Emotionen in dir wach, ohne dass du dich dagegen wehren könntest. Egal, wie lange das Erlebnis in der Vergangenheit liegt. Denn…

dein Duftgedächtnis kennt keine Zeit.

Denke nur einmal an ein paar typische Gerüche aus deiner Kindheit zurück. Sofort steigen dadurch Bilder und Stimmungen in dir hoch, oder? Denn gegen Gerüche kannst du keinen inneren Filter oder Zensor aktivieren. Sie steigen direkt und ungefiltert in dein Gehirn und lösen dort die unterschiedlichsten Bilder, Emotionen und Stimmungen aus.

Ein paar Beispiele lassen die Wirkungen klar werden. Gestank etwa löst Ekel und Abscheu in uns aus. Wir meiden solche Orte, oder versuchen, sie so schnell wie möglich zu verlassen. Brandgeruch lässt in uns sofort die Alarmglocken schrillen, um uns vor der Gefahr eines Feuers zu schützen. Und verströmt unser Partner oder Partnerin einen angenehmen Duft, finden wir ihn oder sie besonders erotisch und anziehend. Der Duft von frisch gemähtem Gras oder der salzigen Meeresluft lässt in uns entsprechende Bilder im Kopf entstehen und versetzt die meisten Menschen in eine angenehme Stimmung. Wenn du an den Duft von Tannennadeln, Keksen und Zimt denkst – was steigt dann unvermeidlich in dein Gedächtnis? Richtig – Weihnachten! Auf der anderen Seite repräsentieren die typischen Gerüche eines Krankenhauses oder einer Zahnarztpraxis die unangenehmeren Seiten der Emotionsskala. Solche Gerüche lassen in dir natürlich entsprechende Gefühle und Erinnerungen hochsteigen.

Das ist auch der Grund, warum viele Hotellobbys und Kaufhäuser auf der ganzen Welt ganz dezent mit speziellen Düften „beduftet“ werden. Das soll Kaufimpulse in dir anregen und für eine gute Stimmung sorgen. Allerdings müssen solche Duftnoten dezent eingesetzt werden. Sie müssen unter unserer bewussten Wahrnehmungsschwelle bleiben, um ihre optimale Wirkung entfalten zu können. Denn sonst entscheiden wir uns je nach unseren persönlichen Präferenzen für – oder gegen sie, und wer sich gegen einen bestimmten Duft entschieden hat, der verlässt diesen Ort meistens – also nicht ganz die Wirkung, die man dadurch in der Regel erreichen möchte. 

Reinigung durch Räucherung

In der Spiritualität wird das „Ausräuchern“ mit unterschiedlichen Kräutern seit jeher mit Reinigung assoziiert. Wohnungen und Häuser werden dabei meist um den Jahreswechsel durch diese Düfte von alten Stimmungen und Energien befreit um Platz für Neues zu schaffen. Räucherungen, duftende Harze und ätherische Öle spielten bereits im Altertum eine große Rolle. Damals waren sie ein begehrtes Luxusgut und eine wertvolle Handelsware. Ihre ersten Spuren reichen bis zum Anbeginn der Menschheitsgeschichte zurück.

Später entwickelte sich daraus die Parfümherstellung. Diese Kunst lebt seit Jahrhunderten von der Tatsache, dass Düfte und Emotionen eine starke Wechselwirkung miteinander haben. Das Ziel jedes Parfumherstellers ist es seither, den „perfekten“ Duft zu kreieren, um Liebe und Sympathie zu wecken. Wohlgerüche, die uns begehrenswert wirken lassen sollen.

Düfte werden dabei mit vielen besonderen Eigenschaften verbunden. Werte wie Schönheit, Männlichkeit, Weiblichkeit, Ausstrahlung, Charisma, Erotik und Selbstbewusstsein, verpackt in kleine Fläschchen, die uns als flüssiges Gold auf eine innere Reise mitnehmen und mit ihren betörend-herben Duftbotschaften die Welt erobert haben.

Das Denken beflügeln durch Düfte

Die richtigen Duftnoten können unser Denken in Schwung bringen, uns ein Gefühl der Frische und Wohlbefinden vermitteln, oder sie lassen uns entspannen und träumen. Sie sind allesamt mächtige Antreiber für unsere mentale Befindlichkeit. Wie kannst du ihre Macht gut für dich nutzen?

Wenn du die Kraft der Düfte bewusster in deinem Umfeld nutzen willst, dann setze sie stets sparsam und dezent ein. Zu intensive Düfte können von anderen Menschen nicht nur als Belästigung empfunden werden, sondern im schlimmsten Fall sogar Kopfschmerzen und anderes Unwohlsein auslösen. „Mehr“ bedeutet also nicht unbedingt „besser“. Bevor du also spezielle Düfte am Arbeitsplatz oder in gemeinschaftlich genutzten Räumen verwenden willst, finde heraus, ob das ungestört möglich ist.

Gute Düfte – woher nehmen?

In Küche, Haus und Garten findest du sehr viele natürliche Duftquellen wie Kräuter und Pflanzen, Gewürze und Obst. Wenn du diese Quellen verwendest, sind die Geruchserlebnisse meinst nicht sehr intensiv und lange anhaltend, dafür aber durch und durch natürlich.

Intensivere Dufterlebnisse bekommst du, wenn du Ätherische Öle und hochwertige Räuchermischungen verwendest.

Achte bei Ätherischen Ölen unbedingt auf Qualität. Die hat natürlich – wie immer – ihren Preis, aber es lohnt sich. Solche Öle sind hoch konzentriert und sollten daher nie direkt angewendet oder auf die Haut aufgetragen werden, da sie zu Reizungen führen können. Im Fachhandel findest du auch eine große Auswahl an Räuchermischungen und Zutaten.

Um den passenden Duft für dich zu entdecken, musst du dich auf die Düfte einlassen.

Probiere unterschiedliche Duftnoten aus und spüre dabei in dich hinein. Welche Emotionen steigen in dir hoch? Was lösen sie in dir aus? Wohin führen sie deine Gedanken?

Eine anregende und erfrischende Wirkung hat das ätherische Öl von Zitruspflanzen wie Zitrone, Limette, Lemongras, Pfefferminze und Bergamotte. Sie eignen sich gut, wenn du eine frische und angenehme Atmosphäre zum Lernen schaffen willst, und um deinen Geist zu unterstützen. Ihr fruchtig-frischer Duft fördert die Konzentration.

Duftnoten wie Lavendel, Weihrauch, Baldrian und Sandelholz fördern dagegen eher eine entspannende Stimmung. Die Liste der verfügbaren Düfte und ihrer Wirkungen ist fast unendlich lang, und für jeden Menschen und jeden Zweck ist etwas Passendes dabei. Wenn du tiefer in das Thema eintauchen willst, dann empfehle ich dir neben einer guten Internet-Recherche auch entsprechende Literatur. Inzwischen werden auch immer mehr Kurse und Workshops angeboten, die sich mit der Wirkung von Räucherungen beschäftigen.

Tauche ein in das Universum der Düfte und mache dir ihre Wirkung zunutze. Egal ob am Arbeitsplatz, zu Hause oder für dein Mentaltraining. Dann hast du in jedem Fall die Nase vorne – auch beim Denken.

Viel Spaß!

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

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