Doping mit Musik

Der Beat berührt dich! Alles in dir schwingt mit. Du spürst den Rhythmus und kannst kaum mehr stillsitzen. Deine Füße wippen unwillkürlich im Takt und die Melodie nimmt dich mit auf eine Reise. Die Rede ist natürlich von Musik. Sie begleitet uns seit jeher. Aus einfachen Musikinstrumenten wie Trommeln entstanden im Laufe der Zeit immer vielfältigere Instrumente. Unzählige Musikstile haben sich herausgebildet und ganze Epochen geprägt. Musik ist ein unverzichtbarer Begleiter in unserem Leben geworden.

Manche Rhythmen treffen uns mitten ins Herz und lassen uns als „Ohrwürmer“ Stunden, ja manchmal sogar tagelang einfach nicht mehr los. Unser Gehirn produziert dann Musik in einer Dauerschleife und wir wippen im Takt mit oder summen die Melodie unbewusst vor uns hin. Musik kann begeistern, befreien und entspannen. Aber sie bewirkt noch viel mehr. Sehen wir uns die Macht der Musik etwas genauer an.

Wie Musik auf unseren Körper wirkt

Die richtigen Klänge können uns innerhalb weniger Sekunden in unterschiedliche Stimmungen versetzen. Die passende Melodie weckt in uns Gedanken an schöne und besondere Momente aus unserem Leben, die wir mit einem bestimmten Song verknüpft haben. Vielleicht unsere erste große Liebe oder ein Meilenstein in unserer beruflichen Karriere? Vielleicht die Nationalhymne, wenn Du eine Laufbahn als Profisportler eingeschlagen hast. Denn dann bedeutet diese Hymne, dass du einen Platz auf dem Siegerpodest eingenommen hast. Vielleicht ist ein bestimmtes Musikstück für dich auch ein Ausdruck für einen wichtigen Erfolg oder ein ganz Besonderes Lebensgefühl, das dich begleitet hat – oder immer noch begleitet.

Mit der richtigen Musik fällt dir auch anstrengende Arbeit wesentlich leichter.

Wahrscheinlich hast du den passenden Sound auch schon einmal dazu genutzt, um dir eine langweilige Tätigkeit zu versüßen, dich kurzzeitig zu motivieren oder bei deinen Tagträumen zu begleiten. Auch ein guter Film kommt ohne die passende musikalische Untermalung nicht aus.

Wenn Silvester Stallone als Underdog in „Rocky“ bei den Klängen von „Eye of the Tiger“ sein Training durchzieht, weiß der Zuschauer – jetzt geht´s um alles! Oder wenn die ersten Takte des James Bond Themas erklingt wird, ist jedem sofort klar, dass der knallharte und charmante Agent wieder im Dienst ist.

Lieder können die Menschheit bewegen und Trends auslösen, die um die Welt gehen. Musik transportiert und erzeugt Emotionen. Als etwa Concita Wurst 2014 mit „Rise like a Phönix“ einen Hit landete und den Eurovision Songcontest gewann, wurde das Lied schnell ein Synonym für Diversität, Freiheit, Stärke und den Respekt vor unterschiedlichen Lebensstilen. Gänsehaut-Feeling inklusive.

Musik ist Doping

Du merkst schon – Musik kann eine ungeheuer starke Kraft sein, die dich mental beeinflusst. Ihre Wirkung kannst du gezielt für dich nutzen. Denn

Musik kann messbare Auswirkungen auf deine körperliche Leistungsfähigkeit haben.

Die Wirkung von Musik ist sogar so handfest, dass es Top-Athleten beispielsweise verboten ist, bei offiziellen Marathonläufen mit Kopfhörern zu laufen. Neben dem erhöhten Sicherheitsrisiko soll damit auch vermieden werden, dass der Trainer dem Athleten taktische Hinweise gibt. Aber vor allem will man damit die Leistungssteigernde Wirkung von Musik unterbinden.

Jede Leistungssteigerung hat ihren Ursprung im Kopf. Erst dann führt unser Körper sie aus. Unser Gehirn gibt grünes Licht an unsere Muskeln. Das ist auch eines der inzwischen anerkannten „Geheimnisse“ über die Wirksamkeit von Mentaltraining. Musik ist hier ein ordentlicher „Pusher“. Denn sie kann die körperliche Leistung um bis zu 15% verbessern. Unglaublich, welche Reserven unser Körper mit dem richtigen Beat anzapfen kann, oder?

Diesen stärkenden Effekt hat man bereits bei Patienten mit Herzproblemen untersucht. Studienteilnehmer, die während ihres täglichen Trainings ihre Lieblingsmusik hören durften, konnten ihre körperliche Belastbarkeit dadurch um bis zu 39% steigern im Vergleich zur Kontrollgruppe ohne musikalische Unterstützung.

Power durch Musik

Musik scheint auf die Leistung in manchen Sportarten eine signifikante Wirkung zu haben. Eine Studie belegt etwa, dass sich die Ausdauerleistung von Sportlern auf Laufbändern durch die passende Musik um satte 15% verbesserte. Man experimentierte dabei auch mit dem Tempo. Mal reduzierte man die Geschwindigkeit eines Liedes um 10%, bei einem anderen Durchgang wurde das Tempo deutlich erhöht. Das blieb nicht ohne Wirkung. Denn die Sportler passten ihr Tempo unbewusst immer dem jeweiligen Takt an. Bewegung und Rhythmus sind eng miteinander verbunden, und wir bewegen uns gerne im Einklang mit ihm.

Weitere Versuche, die beim Training mit Fahrradergometern durchgeführt wurden, haben noch andere erstaunliche Ergebnisse zu Tage gebracht. Denn Radfahrer haben mit Musik um bis zu 7% weniger Sauerstoff verbraucht.

Auch unsere Stresswahrnehmung kann durch Musik entscheidend beeinflusst werden. Probanden wurden dazu zuerst künstlich unter Stress gesetzt. Anschließend wurde Musik gespielt und dabei die Atmung, der Puls, sowie die Gehirnaktivitäten gemessen. Dabei konnten bestimmte Musikstücke die Erholung um mehr als 60% verbessern.

Einsatzgebiet und Dosis sind entscheidend

Trotz all dieser tollen Wirkungen – auch Musik ist kein Allheilmittel. Es gibt bei diesem natürlichen Dopingmittel auch Empfehlungen und Grenzen für einen sinnvollen Umgang. Wenn du etwa neue Bewegungsfolgen einüben willst, oder wenn ein komplexes Training eine hohe Aufmerksamkeit erfordert, solltest du dabei auf Musik verzichten oder sie nur sehr sparsam einsetzen. Denn dann ist sie mehr eine Quelle der Ablenkung, als der Stärkung. Das gilt generell für alle Tätigkeiten, die eine hohe Konzentration erfordert. Hier ist Musikberieselung im Hintergrund nicht sinnvoll, da ablenkend.

Da Musik eine signifikante Wirkung auf unsere Emotionen hat, sollte sie mit Bedacht eingesetzt werden. Es ist daher sinnvoll, eine Playlist zusammenzustellen, die genau auf die geplante Tätigkeit zugeschnitten ist, um sie optimal zu unterstützen. Wenn etwa ein bestimmtes Lied Erinnerungen an eine traurige Begebenheit weckt, versetzt dich das innerhalb weniger Augenblicke in eine entsprechende Stimmung. Dein Körper passt seine Reaktionen dieser Stimmung an. Das Ergebnis: die Kraft in deinen Muskeln lässt nach, Körperspannung, Haltung und Ausstrahlung verändern sich. Höre dir daher die Lieder deiner Trainings-Playlist vor dem eigentlichen Training an und prüfe, welche Assoziationen, Bilder und Erinnerungen sie in dir wecken. Führt dich ein Musikstück auf Abwege, entferne es und ersetze es durch ein Stück, das dich bestärkt.

Vorsicht ist auch bei allen Übungen geboten, mit denen du die Grenzen deiner körperlichen Belastung austesten willst. Denn dann könnte die pushende Wirkung eindringlicher Sounds dich dazu verleiten, zu schnell über deine Grenzen zu gehen. Dadurch steigt die Verletzungsgefahr.

Du kannst aber Musik gezielt dazu einsetzen, um dich vor einem Wettkampf in eine gute Stimmung zu versetzen und dich mit zusätzlicher Energie und Zuversicht zu erfüllen. Die richtige Musik kann dich auch bei Entspannungsübungen begleiten, wenn du dadurch schneller in einen tranceähnlichen Zustand gleiten kannst. Achte aber darauf, dass du mentale Übungen auch ohne Musik jederzeit ausführen kannst, sonst wird die Musik zu einem Anker, an den du dich bindest.

Welcher Beat ist der richtige?

Klar, mit der richtigen Musik kann Sport mehr Spaß machen und um vieles leichter fallen. Eine bestimmte Empfehlung dazu gibt es nicht, denn zu unterschiedlich sind die Geschmäcker und die unterschiedlichen Sportarten.

Finde heraus, was dich besonders bewegt.

Eine positive Wirkung kann dabei vielleicht der Text haben, und wie kraftvoll du die Musik empfindest. Natürlich spielt auch das Tempo – die BPM, also „Beats per Minute“ eine Rolle. Je nach der Art und dem Abschnitt deines Trainings eignen sich verschiedene Geschwindigkeiten.

Zur Entspannung genieße Musik, die einer ruhigen Pulsfrequenz entspricht – also zwischen 40 – 60 BPM

Das Dehnen solltest du auch eher ruhig angehen. Hier haben sich Musikstücke mit etwa 70 BPM bewährt.

Für das Aufwärmen kannst du zu Songs um die 100 BPM greifen.

Bei Ausdauersport solltest du Musik zwischen 120 und 150 BPM in deiner Playlist haben.

Im Krafttraining kann dich – je nach Übung – ein schnellerer Sound mit etwa 140 – 150 BPM unterstützen. Achte hier besonders darauf, dich nicht zu überfordern, wie bereits vorhin erwähnt.

Lass sich von kraftvoller Musik bewegen und in neue Höhen tragen! Lass dich begeistern und finde deinen Rhythmus. Lebe im Einklang mit dem Takt deines Lebens.

Viel Erfolg!

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

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