Die Macht der Placebos Teil II

Willkommen zurück! Mein letzter Blog zum Thema Placebos hat dich neugierig gemacht und du willst mehr erfahren? Weiter geht`s mit den „Nocebos“.

Das “Nocebo” – die dunkle Seite der Placebos

Wie alles in unserer Welt hat auch das Placebo zwei Seiten. Sein dunkler Gegenspieler nennt sich Nocebo, lat. „ich werde schaden“. Nocebos entfalten ihre unangenehme Wirkung aber nicht nur durch die Überzeugung, schädliche oder krankmachende Stoffe eingenommen zu haben. Ihr Einfluss geht viel weiter. Sie werden auch durch negative Suggestionen und Erwartungen wirksam. Vereinfacht kennen wir das als eine selbsterfüllende Prophezeiung. Oder anders ausgedrückt:

selbst wenn du ein bewährtes Medikament einnimmst, aber an seiner Wirksamkeit zweifelst, kannst du dadurch bereits seine Wirkung deutlich reduzieren.

Teilnehmer in klinischen Studien etwa klagten über die Nebenwirkungen, die man ihnen zuvor angekündigt hatte. Auch die Art und Weise, wie ein behandelnder Arzt über die Erkrankung und ihren möglichen Verlauf spricht, kann Ängste schüren und so einen negativen Krankheitsverlauf bestärken.

Wie extrem die Wirkung eines Nocebos ausfallen kann, zeigt folgender Fall:

Ein junger Mann hatte sich freiwillig zur Teilnahme an einer Studie für ein neues Medikament angemeldet. Die Studie wurde als eine sog. „Doppelblind-Studie“ durchgeführt. Dabei wurden alle Teilnehmer geheim in zwei Gruppen eingeteilt. Einige Teilnehmer erhielten tatsächlich das neue Medikament, während andere nur das Placebo ohne Wirkstoffe verabreicht bekamen. Weder die Teilnehmer, noch die Assistenten wussten, wer das echte Mittel einnahm, und wer nicht. So lässt sich im Anschluss die Wirkung möglichst neutral auswerten.

Im Laufe der Studie geriet der junge Mann jedoch in heftige Beziehungsprobleme und wurde von schwerem Liebeskummer geplagt. In seiner Verzweiflung beschloss er, eine Überdosis des Medikamentes aus der Studie einzunehmen, dass er daheim hatte. Er kollabierte und wurde in einem lebensbedrohlichen Zustand in die nächste Klinik eingeliefert. Während die Ärzte um sein Leben kämpften, kontaktierten sie den Studienleiter um herauszufinden, welche Wirkstoffe enthalten waren, um eine effiziente Behandlung einleiten zu können.

Als dieser die Daten des Teilnehmers prüfte, stellt sich heraus, dass er zur Gruppe der Placebo-Empfänger gehörte. Erst, als die behandelnden Ärzte ihm das im Spital mitteilten, besserte sich sein Zustand merklich und er konnte nach einigen Tagen schließlich als „geheilt“ entlassen werden.

Faktoren für die Wirksamkeit von Placebos

Längst ist bekannt, dass negative Gedanken einen krank machenden Einfluss auf unseren Körper und die Gesundheit haben.

Negative Gedanken und Szenarien, die wir uns in unserer Fantasie ausmalen, bringen unseren Körper in eine krankmachende Stimmung und verändern damit auch unser Befinden.

Wenn wir es gewohnt sind, negativ über uns und die Welt zu denken, schließt sich unser Körper unserer Realität an. Solche Gewohnheiten lassen sich durch gezieltes Mentaltraining verändern. Was sind also die Einflüsse, die die Placebo Wirkung in uns auslösen? Zusammenfassend spielen dabei 3 zentrale Faktoren eine Rolle:

Erwartungen

Deine Erwartungen steuern das Ergebnis. Es kann daher sinnvoll sein, von Zeit zu Zeit zu überprüfen, welche Erwartungen du von bzw. über etwas hast. Sinnvoll, auch wenn es mal nicht um Placebos geht…

Informationen

Die Informationen, die du erhältst oder damit verknüpfst, steuern die Wirkung mit. Was weißt du – oder glaubst du zu wissen? Wovon bist du felsenfest überzeugt? Nutze hilfreiche Glaubenssätze.

Konditionierung

Durch Konditionierung kannst du die Wirksamkeit noch weiter verstärken. Du kannst z.B. ein Getränk in einer bestimmten Farbe einnehmen (erinnerst du dich noch an die unterschiedliche Wirkung blauer und roter Pillen?). Welche Farbe verbindest du mit Gesundheit, Heilung und Kraft? Du kannst das Ganze natürlich auch mit einer angenehmen und passenden Handlung verknüpfen. Erschaffe dir dein eigenes, wirksames Heilritual, um die Wirkung anderer Behandlungen zu verstärken.

Jenseits des Placebo-Effektes

Die Wissenschaft beginnt immer tiefer in die Geheimnisse des Placebo-Effektes einzutauchen und die Wunder unseres Geistes zu entschlüsseln. Die hier beschriebenen Erkenntnisse zeigen, welche Wunder unser Geist vollbringen kann, und wie wirksam die Macht unsere Überzeugungen ist. Die moderne Forschung entdeckt dabei immer neue Fakten rund um die Wirksamkeit der Placebos. Stellt sich nur die Frage – wo liegen die Grenzen? Ist vielleicht noch viel mehr möglich?

Ich persönlich bin davon überzeugt, dass die Wissenschaft in den nächsten Jahren noch viel mehr Details über die Macht unseres Geistes enthüllen wird.

Jenseits der Wirkung von Placebos sind die Fälle von Menschen bekannt, die sich selbst von schwersten Verletzungen und Krankheiten heilen konnten.

Unzählige Menschen pilgern weltweit zu heiligen Stätten und Wallfahrtsorten, um für eine Heilung und Genesung zu beten. Nach wie vor wird Wasser aus heiligen Quellen oder anderen Gegenständen eine wahre Wunderwirkung zugesprochen. Jenseits aller religiösen Diskussionen ist erwiesen, dass es immer wieder zu unglaublichen Heilungen kommt. Auch hier spielen die Erwartungen und Überzeugungen der Menschen eine entscheidende Rolle.

Manche Menschen, die mit einer schweren Erkrankung konfrontiert sind, nehmen den Kampf mit ihrem Innersten auf und transformieren sich auf dem Weg zur Heilung. Einige Gemeinsamkeiten scheinen alle diese Menschen zu teilen:

  • Sie stellen sich ihren größten Ängsten und überwinden sie.
  • Sie arbeiten traumatischen Erlebnisse, die mit dem Unfall oder der Erkrankung verbunden sind, vollständig auf.
  • Sie schaffen es, den Zorn, die Wut und die Ängste auf sich selbst und andere zu transformieren. Stattdessen geben sie der Liebe zu sich selbst und anderen Menschen mehr Raum.
  • Sie machen einen Frieden mit sich selbst und erlangen tiefe Erkenntnisse, denen sie sich vor ihrer Krankheit oft verschlossen hatten.
  • Sie finde heraus, was ihre Krankheit – oft über viele Jahre genährt hat – und ändern ihr Verhalten und ihre Einstellung dazu.

Das alles scheint den Weg frei zu machen für unglaubliche Heilerfolge. Solche Fälle verlassen endgültig die Bereiche der Schulmedizin und berühren die Spiritualität. Es sind stets außergewöhnlich Schicksale und Menschen. Sie bilden seltene Ausnahmen. Ihre Geschichten zeigen, was möglich ist. Daher können sie auch nicht einfach verallgemeinert und reproduziert werden, denn sie sind so individuell wie die Menschen, die sie durchleben.

Wie es scheint, muss jeder diesen Weg für sich alleine entdecken, um vielleicht in aussichtlosen Situationen Heilung erfahren zu können. Aber es kann uns Mut machen und uns darin bestärken, achtsam zu leben und unseren Geist zu trainieren. Es kann uns motivieren, die Kraft unserer mentalen Fähigkeiten zu steigern, um auch den großen Herausforderungen unserer Zukunft gewachsen zu sein. Unsere Gedanken sind der Schlüssel dazu.

Viel Erfolg!

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

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