Der innere Schweinehund ist anders als du denkst

Diesmal will ich über die Eigenheiten eines ganz besonderen Haustiers sprechen. Keiner mag es so recht, und doch kreuzt es immer wieder mal für kurze oder längere Phasen unseren Weg und richtet sich häuslich bei uns ein. Es verleitet uns zu Faulheit und Müßiggang und ist der größte Fan der Bequemlichkeit. Die Rede ist natürlich von unserem inneren Schweinehund.

Obwohl der pelzige Kerl nicht gerade gut angesehen ist bei den meisten von uns, will ich in diesem Blog eine Lanze für ihn brechen und ein wenig über seine Eigenarten aufklären. Denn seine Absichten sind besser als sein Ruf. Wie wir ihn besser durchschauen und, zu unserem Freund machen können und seine Kraft einsetzen, um uns zu unterstützen, das erfährst du hier.

Das Jobprofil des inneren Schweinehundes

Zuerst einmal – was genau sind die Aufgaben unseres inneren Schweinehundes, und wo liegt sein Nutzen? So seltsam das vielleicht klingen mag – er versucht uns zu schützen. Zu schützen? Wovor denn? Vor ungesunden Extremen, Überanstrengung und Aktivitäten, die für uns mit einen großen Energieverbrauch verbunden sind. Er will uns vor Überforderung bewahren. Denn unser Gehirn überwacht permanent unser Körperliches Wohlbefinden und bewertet darauf aufbauend unsere Möglichkeiten. Dabei wertet es alle Informationen aus, die es durch die 5 Sinne erhält, um unseren physischen Status zu beurteilen. Neueste Erkenntnisse aus der Neuroathletik legen sogar nahe, dass unser Gehirn erst dann die volle Kraft in unseren Muskeln freigibt, wenn es den Status unseres Körpers als geeignet bewertet.

Unser Gehirn bewertet und selektiert alle unsere Aktivitäten vorranging nach einem Kriterium: trägt, das, was wir tun, zu unserem Wohlbefinden und unserer Sicherheit bei? Ist es angenehm oder unangenehm? Kostet das, was wir vorhaben mehr Energie als es am Ende bringt? Denn Sicherheit und Wohlbefinden steigern die Chancen auf unser Überleben. Was unsere Energie betrifft – mit ihr will der Körper möglichst haushalten, denn sie ist begrenzt. Je weniger Energie für etwas aufgewendet werden muss, umso besser fällt die Kosten-Nutzen-Rechnung für uns aus. Dieses Erbe bringen wir schon aus den frühsten Tagen der Menschheit mit. In diesen Zeiten war es nicht klar, ob wir bald wieder Jagderfolg haben würden. Oft genug war hungern angesagt. Unter solchen Voraussetzungen, in denen der Mangel eher die Regel, denn die Ausnahme darstellte, ist Energie sparen also eine gute Überlebensstrategie und ein klarer Vorteil auf unserer Seite.

Anerkennung wirkt Wunder

Bei solchen Bewertungskriterien wird schnell klar, dass das Urteil unseres inneren Schweinehundes Zugunsten eines angenehmen Empfindens fällt. Da liegt die bequeme Couch weitaus besser im Ranking, als im Regen draußen noch eine Runde laufen zu gehen. Wenn du deinen inneren Schweinehund zu deinem Verbündeten machen willst, dann ist der erste Schritt, dass du seine Absichten und seinen Zweck zu verstehen und zu würdigen lernst. Du kannst dazu ein kleines „Ritual“ daraus machen, indem du dir in den Situationen, in denen dich dein innerer Schweinehund zur Bequemlichkeit überreden will, seine Fürsorge würdigst. Du kannst damit starten, indem du im Gedanken zu dir sagst:

„Hey, danke dass du mich beschützen willst. Ich weiß das zu schätzen, alles ist gut!“

Mit dieser einfachen Maßnahme erreichst du gleich zwei Dinge:

1. Du wirst dir deiner inneren Prozesse besser bewusst

Damit verbesserst du die Achtsamkeit gegenüber dir selbst.

2. Du entschärfst deine inneren Widerstände.

Denn je mehr du in den Widerstand gehst, umso mehr Gegendruck und Sabotierende Energie weckst du in dir selbst.

Jetzt hast du deinem inneren Schweinehund seine wohlverdiente Anerkennung und Streicheleinheiten gegeben. Aber wie bringst du ihn jetzt dazu, dich zu unterstützen? Dazu hast du zwei Möglichkeiten:

Die passende Belohnung macht den Unterschied

Damit der innere Schweinehund seinen Widerstand aufgibt, musst du ihm die passenden Leckereien in Aussicht stellen. Das ist in seinem Fall gehirngerechte Motivation. Die richtigen Argumente und vor allem, wie es sich anfühlt, wenn du getan hast, was du dir vorgenommen hast – DAS ist das Futter, das deinen inneren Schweinehund abrichtet.

Um bei dem Beispiel des Laufens zu bleiben, das ich vorhin schon angesprochen habe. Wie fühlt es sich für dich an, wenn du Laufen bist? Magst du die frische Luft? Die angenehme Stimmung, oder die Stille im Wald? Fühlt sich die angenehme Müdigkeit, die nach dem Laufen in jedem deiner Muskeln einsetzt nicht angenehm entspannend an? Schätzt du es, wenn deine Gedanken einmal Pause vom Alltag machen und du in dieser persönlichen Auszeit einmal nur für dich da sein kannst? Vielleicht genießt du die herrliche Dusche danach und das gute Gefühl, wieder etwas für deine Gesundheit getan zu haben?

Das sind nur ein paar gute Argumente, um den inneren Schweinehund zu besänftigen. Vielleicht spielen für dich noch andere Punkte eine Rolle, und du verbindest weitere Belohnungen damit, die du schon in der Vergangenheit durch das Laufen erfahren hast.

Genau das ist das mentale Futter, das dem inneren Schweinehund schmeckt.

Erinnere dich an alle diese Genüsse – egal ob sie physischer oder mentaler Art sind. Führe sie dir lebhaft vor Augen. Erlebe sie und freu dich darauf, bevor du losstartest. Denn das ist der Preis, um den es geht. Das motiviert und bringt dich in eine gute Stimmung. Damit wirfst du Argumente in die Waagschale für dein Gehirn, um die Sachlage neu zu beurteilen und verwandelst eine ursprünglich unangenehme Situation in eine, die vielleicht gerade nicht besonders toll erscheint, aber einige bemerkenswerte Belohnungen und dementsprechenden Nutzen bereithält, wenn du sie durchführst.

Das ist die sprichwörtliche „Karotte“ – oder in diesem Fall vielleicht „Wurst“, die du dir und deinem inneren Schweinehund vor die Nase hängst.

Die besten Seiten entdecken

Den Nutzen einer Sache kannst du für dich fast immer herausstellen, egal wie unangenehm sie vielleicht sein mag. Hier noch ein paar Beispiele:

Die Buchhaltung zu machen ist langweilig? Wenn sie fertig ist, hast du endlich wieder alles übersichtlich geordnet. Du hast eine gute Übersicht und nebenbei ist der Berg Rechnungen auch verschwunden. Am Ende gewinnst du vielleicht sogar noch etwas Geld zurück vom Finanzamt, mit dem du etwas Schönes unternehmen kannst.

Du willst ernsthaft abnehmen, aber das Stück Torte lacht dich gerade unwiderstehlich von der Seite an? Wie stolz wirst du auf dich sein, wenn du dieser Versuchung widerstanden hast? Das wäre die tolle Leistung des Tages, die du dir in deinen Plan einträgst. Welche gesünderen Leckereien kannst du stattdessen genießen? Wie wird es sich anfühlen, wenn du später jemandem davon erzählst, dass du standhaft geblieben bist? Wem könntest du stattdessen damit eine Freude machen? Vielleicht freut sich dein Nachbar darüber?

Die Liste ließe sich noch beliebig fortsetzen, aber ich denke, die Handhabung ist klar geworden. Wenn du es nicht gewohnt bist, auf diese Weise über solche Situationen nachzudenken, kann das Anfangs etwas seltsam anmuten. Aber schon bald macht es Spaß, das richtige „Futter“ für deinen inneren Schweinehund zu entdecken.

Finde deine eigenen Argumente. Wichtig dabei ist nur, dass sie etwas für dich bedeuten müssen.

Sie müssen sich gut anfühlen. Falsche Argumente durchschaut dein innerer Schweinehund sofort.

Du kannst aus einem dieser Punkte eine konkrete Belohnung machen, oder dir eine angemessene ausdenken. Also wenn ich das mache, dann belohne ich mich hinterher mit X. Dazu kann auch durchaus gehören, dass du danach auch mal faul sein darfst. Also „nach dem Laufen werde ich mich gemütlich auf die Couch setzen und einen tollen Film anschauen.“ wäre völlig in Ordnung. Wenn – dann bietet deinem Gehirn einen Ausweg. Der wird gerne ergriffen, wenn er existiert. Denn vorher gab es ja nur ein „Alles oder nichts“.

Kleine Happen verwenden

Zum Abschluss noch ein wichtiger Tipp für deine neue Partnerschaft mit deinem inneren Schweinehund: Wenn du dir Ziele vornimmst, dann passe dein Endziel an, indem du Zwischenziele einziehst und diese Etappen deutlich reduzierst.

Um noch einmal beim Laufbeispiel zu bleiben: Nehmen wir an, du warst einige Zeit nicht laufen und hast dir das Ziel gesteckt, Heute einen 10 km Lauf hinzulegen. Aber deine Kondition spielt nicht mit und du schaffst mit Mühe gerade einmal 5 km. Das demotiviert und du bekommst den Eindruck, du bist ein Versager. Das bestärkt deinen Inneren Schweinehund „hättest du lieber mal auf mich gehört und wärst daheim geblieben!“. Die Folge? Der Eindruck, dass Laufen nichts für dich ist, verfestigt sich. Also statt der 10 km lieber 5km anpeilen. Damit verschaffst du dir wichtige Erfolge – egal wie „klein“ sie auch sein mögen. Das stärkt deine Selbstwirksamkeitserwartung. Du kannst das nächste Mal daran anschließen und verbindest gute Gefühle damit. Und solltest du doch mehr als 5 km schaffen, hast du noch mehr Grund, dich zu freuen!

Es ist besser, sich mit kleinen Erfolgen einem großen Ziel zu nähern, als daran zu scheitern.

Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Partnerschaft mit deinem inneren Schweinehund. Du kannst ein tolles Team mit ihm bilden. Nutze seine Kraft und mach was draus! Ich bin schon gespannt, von deinen Erfolgen zu hören.

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

Schreibe einen Kommentar