Der entscheidende Augenblick

Vielleicht ist dir das auch schon einmal passiert: Du kennst eine Situation, in der du gerne anders handeln und denken möchtest. Du weißt genau, worauf es ankommt – mehr Achtsamkeit oder Konzentration, Gelassenheit oder Entspannung … Du bist fest entschlossen, die Sache zu meistern. Dazu hast dir auch schon eine Strategie zurechtgelegt. Du weißt, wie du in dieser bestimmten Situation handeln willst, wenn sie das nächste Mal eintritt.

Automatische Reaktionen

Und dann das! Im entscheidenden Moment fällst du doch wieder in dein altes Denk- und Verhaltensmuster zurück. Du ärgerst dich und bist frustriert. Wie konnte das nur passieren?

Bevor du zu hart mit dir selbst ins Gericht gehst, kann ich dich beruhigen. Eine solche Reaktion ist ganz normal. Warum?

Die Reaktionen, die unter Stress ablaufen, werden reflexartig ausgeführt.

Es sind Reaktionsmuster, die tief in dir verankert sind. Sie gehören teilweise zu einem Überlebensprogramm. Manche dieser Denk- und Verhaltensweisen wurden auch durch entsprechende Erfahrungen und Wiederholungen in der Vergangenheit geprägt. Im entscheidenden Moment werden sie ausgelöst. Den Vorsatz, anders zu reagieren hast du in einem ruhigen Moment in deinem Bewusstsein getroffen. Doch die Reaktionen im „Alarmmodus“ werden von ganz anderen Bereichen deines Bewusstseins durchgeführt.

Lässt sich so eine automatisierte Reaktion unterbrechen oder gar neu entwickeln? Ja, das ist möglich. Das Geheimnis dazu lautet:

Wiederholung.

So kannst du deine Reaktionen verändern

Nehmen wir an, du hast eine Situation identifiziert, in der du normalerweise in Hektik verfällst. Du willst in Zukunft ruhig bleiben, um die Situation besser erfassen zu können, bevor du eine Entscheidung triffst und schließlich handelst. Jetzt geht es ans Training.

Damit du diese automatische Reaktion schwächen und schließlich entkoppeln kannst, musst du diese neue Reaktion in deinem Geist üben.

Dazu begibst du dich an einen ruhigen Ort und nimmst eine entspannte Haltung ein. Dann stellst du dir vor, wie du in eine solche Situation kommst. Wenn du bemerkst, dass deine typischen Reaktionen einsetzen (z.B. Herzklopfen, flache Atmung, Zittern, Verspannung usw.), wirst du zum Regisseur dieser Szene. Du kannst sie anhalten oder zurückspulen. Du kannst sie aus anderen Blickwinkeln betrachten. Du kannst sie verlangsamen. Du kannst sie also mental auf jede Art verändern die dir dabei hilft, besser mit ihr umzugehen.

Du gewinnst im Kopf

In unserem Beispiel mit der Hektik stellst du dir vor, wie du ganz ruhig bleibst. Du merkst, wie dein Atem langsam und leicht wird und sich deine Muskeln entspannen. Du spürst, wie du durch diese Ruhe die Kontrolle zurückgewinnst und genießt das Gefühl, dass du die Situation dadurch besser steuern kannst.

Wenn dir das nicht auf Anhieb gelingt, verändere die Szene so, dass du in eine ruhige und gelassene Stimmung kommst. Handle in deiner Vorstellung in der Situation so, wie du gerne optimalerweise handeln möchtest und beobachte die Reaktionen darauf. Experimentiere mit dem Ablauf und finde deine ganz individuelle Variante, die sich für dich am besten und wirksamsten anfühlt. So eine mentale Sequenz kann ein paar Minuten dauern.

Wiederholung ist der Schlüssel

Geschafft? Toll! Das war dein erster Schritt, um dein Verhalten zu verändern. Notiere dir die Szene und wichtige Details in deinem mentalen Trainingsbuch. Doch mit einem Mal ist es nicht getan. Jetzt heißt es üben, üben, üben.

Wiederhole die Sequenz so oft wie möglich.

Spiele sie durch, wenn du bequem auf der Couch liegst, wenn du gerade entspannt Musik hörst oder wenn du einer anderen Routinetätigkeit nachgehst, die nicht viel Aufmerksamkeit von dir verlangt. Nutze Wartezeiten oder die Fahrzeit in öffentlichen Verkehrsmitteln. Baue es in deinen mentalen Trainingsplan ein. Gehe spielerisch an die Sache heran.

Du weißt ja – dein altes Verhalten hatte sehr lange Zeit, sich zu entwickeln. Indem du das neue jetzt mental einübst, etablierst du in deinem Gehirn und deinen Gedanken ein neues Verhalten. Du eröffnest dir damit neue Möglichkeiten. Und indem du immer wieder zwischendurch den „Ernstfall“ probst, geht in der Realität ja nichts schief!

Du gewöhnst dich so immer mehr an die gewünschte Reaktion und überschreibst dadurch die alte.

Die Denkweise wird dadurch immer dominanter und löst schließlich die alte, unerwünschte ab. Damit hast du eine neue Gewohnheit geschaffen – doch diesmal eine nützliche! Nach und nach wirst du bemerken, dass du ruhig bleibst, wo du früher kopflos reagiert hast.

Ich wünsche Dir viel Erfolg!

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

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