Denkstrategien – der Masterplan mentaler Entwicklung

Gewohnheiten sind ein sehr effizienter Weg unseres Gehirns, um Rechenleistung zu reduzieren. Ein praktischer „Shortcut“, um mentale Energie zu sparen. Das hat sich in unserer Entwicklung gut bewährt – soweit so gut. Dieser Prozess hilft uns bei vielen Vorgängen, indem er ihn schrittweise von einem bewussten Tun (anstrengend) zu einer unbewussten Fähigkeit (leicht) werden lässt, auf die du keine Achtsamkeit mehr richten musst. Gehen, laufen, Fahrrad- und Autofahren und noch vieles mehr fällt in diese Kategorie. All diese Fähigkeiten sind ein integrierter Bestandteil unseres täglichen Lebens geworden und fallen uns gar nicht mehr auf.

Gewohnheiten entwickeln wir laufend, dieser Prozess hört nie auf, egal wie alt du bist oder worum es sich handelt.

Lästig wird die Sache meist dann, wenn wir versuchen, eine Gewohnheit zu ändern. Denn die eingeschliffenen Muster lassen uns immer wieder so agieren und denken, wie wir es nicht mehr wollen oder brauchen. Aber nicht verzweifeln – mit Ausdauer und der richtigen Herangehensweise ist das zu schaffen!

Unsere Gewohnheiten haben einen Vorsprung

Zuerst einmal – mache dir bewusst, dass du die Gewohnheit, die du verändern willst, bereits hunderte oder sogar tausende Male durchgeführt hast. Du kannst dir das wie eine gut befahrene Straße in deinem Gehirn vorstellen. Diese gut ausgebauten neuronalen Verbindungen werden natürlich von deinem Gehirn bevorzugt benutzt und bieten alle Annehmlichkeiten einer schnellen Verarbeitung. Stelle dich also bewusst darauf ein, dass du Zeit und Ausdauer brauchst, um den Kampf mit deinen unliebsamen Gewohnheiten aufzunehmen.

Studien haben ergeben, dass es mindestens 6 Wochen dauert, bis man spürbare Veränderungen im Gehirn etabliert hat.

Das mag dir vielleicht lang erscheinen – verglichen mit der Zeit, die du die alte Gewohnheit bereits durchführst, ist das aber ein recht kurzer Zeitraum. Entscheidend dabei ist, dass du aber während dieser Zeit konsequent dranbleibst und mental trainierst!

Veränderungen bewusst machen

Wenn es um Gewohnheiten geht, spielt uns unser Bewusstsein gerne einen Streich. Da uns unsere Gewohnheiten so vertraut sind, fallen sie uns kaum mehr bewusst auf. Daher ist es sinnvoll, wenn du in dein mentalen Trainingsbuch genau den Start deines Trainings festhältst und wie es dir damit aktuell geht. Zwischendurch solltest du immer wieder deine Fortschritte dokumentieren. Nach spätestens zwei Monaten ziehst du Bilanz und bewertest deine aktuelle mentale Situation zu diesem Thema. Dadurch wird dir viel nachhaltiger bewusstwerden, wie viel du inzwischen erreicht hast! Denn sonst können deine Errungenschaften wieder leicht in der Routine deiner neuen Gewohnheiten untergehen.

Denkstrategien entwickeln

Um Veränderungsprozesse effizient in Gang zu setzen ist es sinnvoll, eine passende Denkstrategie zu entwickeln. Das ist der Rahmen, der dir Hilf deine Ziele zu erreichen.

Denkstrategien richten deine mentalen Kräfte auf ein Ziel aus und unterstützen dich dabei, dein Gehirn an neue Denkpfade zu gewöhnen.

Ich unterscheide dabei grob in 3 unterschiedliche Ebenen, auf denen du eine Denkstrategie entwerfen kannst.

Ebene 1 – Routinen entwickeln

Nachdem du dein Ziel und die Details festgelegt hast, wählst du dir eine Reihe von Mentaltechniken aus. Dann legst du fest, wann, wo, in welcher Reihenfolge und für welchen Zeitraum (Tage, Wochen, Monate…) du diese Techniken durchführen willst. In der Praxis hat es sich bewährt, 1-2 Techniken zu wählen, die du täglich möglichst zu einer bestimmten Zeit praktizierst und eine Technik, die du einschiebst, wenn dir zwischendurch mehr Zeit bleibt (z.B. am Wochenende).

Anschließend legst du fest, wann und wie oft du die jeweilige Technik praktizieren willst. Nehmen wir an, du wählst eine Achtsamkeitstechnik die du täglich nach dem Aufstehen durchführst und eine Entspannungstechnik, die du abends vor dem Schlafengehen machst. Weiters noch eine etwas umfangreichere Methode, die du dir für das Wochenende aufhebst.

Die einzelnen Mentaltechniken sind auf dich und dein Ziel abgestimmt. Indem du dir einen bewussten Plan zurechtlegst, wann, wo und wie oft du sie durchführen willst, stärken sie deine Achtsamkeit und entfalten ihre optimale Wirkung.

Ebene 2 – Ressourcen nutzen

Auf dieser Ebene analysierst du, in welchen Bereichen und bei welchen Tätigkeiten du besonders gut bist. Das muss erst einmal überhaupt nichts mit dem Bereich zu tun haben, an dem du arbeiten willst. Hier geht es um deine Stärken und Fertigkeiten – Dinge, die dir leichtfallen und die du gut beherrscht. Du kannst dazu auch hilfreiche Glaubenssätze, Prinzipien oder Annahmen heranziehen, wenn sie dich bestärken. Dann überlegst du dir, ob und wie diese Fähigkeiten dich bei deinem Ziel in einem anderen Bereich unterstützen können. Du machst also einen „mentalen Transfer“, indem du eine Verbindung zwischen diesen Fähigkeiten und mentalen Konstrukten herstellst um daraus neue, passende Verhaltens- und Denkstrategien zu entwerfen. Du transferierst also Fähigkeiten aus einem Bereich in einen anderen. Anschließend testest du die Denkstrategie und adaptierst sie falls nötig. Ein Mentaltrainer kann dir dabei helfen, eine solche Strategie auszuarbeiten.

Ebene 3 – Gedanken umprogrammieren

Hier geht es noch weiter ins Detail. Denn bei einer Denkstrategie auf Ebene 3 „zerlegst“ du dein Handeln und Denken in seine kleinsten erfassbaren Bestandteile. Du analysierst jeden einzelnen Schritt deiner sinnlichen Wahrnehmungen und auftauchenden Gedanken. Du zeichnest deine inneren Bilder und präsenten Emotionen auf, die bei einer bestimmten Tätigkeit auftreten. Anschließend setzt du diese Kette neu zusammen und tauscht hinderliche oder unpassende Elemente gegen effizientere aus. Doch eine solche Herangehensweise erfordert ein sehr hohes Maß an Selbstwahrnehmung, Achtsamkeit und Impulskontrolle. Vor allem solltest du dafür bereits über ausreichend Erfahrung im Mentaltraining verfügen, um deine Stärken, Schwächen und mentalen Eigenheiten zu kennen. Die Arbeit mit Strategien im NLP arbeitet auf dieser Ebene.

Natürlich kannst du dir auch eine Denkstrategie erstellen, die Elemente aus allen drei Ebenen miteinander verbindet. Du siehst also, es gibt sehr viele Möglichkeiten, die strahlenden Bausteine deines Geistes zu verändern und neu zusammenzusetzen.

Viel Erfolg!

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