Dein Bauch denkt mit!

Unser Gehirn ist unbestritten die oberste „Schaltzentrale“ in unserem Körper – der Supercomputer unseres Bewusstseins. Dabei übernehmen unterschiedliche Gehirnbereiche wie das Klein- Mittel-, Zwischen- und Großhirn verschiedene Funktionen. In einer perfekten Aufgabenteilung fügen diese Bereiche alles zu einem Ganzen zusammen und gewährleisten unser körperliches Wohlbefinden. Das Ergebnis: das, was wir eine „Persönlichkeit“, den „Intellekt“, die „Seele“ und das „Bewusstsein“ nennen.

Unser Nervensystem durchzieht den gesamten Körper. So kommt es, dass unser Gehirn mehrere Außenstellen hat, mit denen es in einem permanenten Austausch steht, und die ein gewichtiges Wörtchen mitreden dürfen. Die Rede ist hier von unserem Magen und Darm. Beide sind sehr empfindliche Bereiche und reagieren entsprechend leicht auf Stress und psychische Belastungen. Redensarten, wie „Schmetterlinge im Bauch zu haben“, „mir dreht sich der Magen um, wenn ich daran denke“ oder „das liegt mir im Magen“ weisen deutlich darauf hin.

Stress schlägt sich auf den Magen

Inzwischen gilt es als erwiesen, dass extreme mentale Belastungen, die über längere Zeit anhalten, mit ein Auslöser für Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes sein können. Denn das schlägt uns auf dem Magen. Klar – zu viel Stress macht auf Dauer krank. Die Folgen: Übelkeit, Durchfall, Erbrechen, Verdauungsbeschwerden und Magenkrämpfe sprechen eine deutliche Sprache. Kann die Situation nicht entschärft werden, droht im schlimmsten Fall früher oder später sogar ein Magengeschwür oder Schlimmeres.

Aber auf der anderen Seite hast du mit deinem Magen und Darm zwei wertvolle Verbündete und Ratgeber. Stimmen, die für deine Instinkte und dein Unbewusstes sprechen. Sie erzeugen das bestens bekannte „Bauchgefühl“. Aber was hat es damit genau auf sich, und wie kannst du es sinnvoll nutzen, um bessere Entscheidungen zu treffen?

Die Stimme im Hintergrund

Wenn man sich den Darm ansieht, drängt sich auf den ersten Blick eine gewisse Ähnlichkeit zu unserem Gehirn auf. Denn beide Bereiche bestehen aus vielen gewundenen, gut durchbluteten Strukturen. Das Bauchgefühl wird so zu einer weiteren Ebene, um deinem Denken Ausdruck zu geben. Dabei kann dir das Bauchgefühl keine präzise Analyse bieten – das soll es auch gar nicht. Denn das hast du ja mit deinem Gehirn längst erledigt. Du hast alle verfügbaren Informationen abgewogen, bewertet, Erfahrungen einfließen lassen und die Lage beurteilt. 

Soweit zu dem Teil, den du bewusst wahrnehmen konntest – oder besser gesagt, die Informationen, die dir dein Gehirn bewusst zur Verfügung gestellt hat. Das ist aber nur die Spitze des Eisberges, denn viel mehr Informationen werden dir erst gar nicht bewusst. Viele Wahrnehmungen schaffen es nicht bis in dein Bewusstsein, aber sie sind trotzdem da. Genau da kommt unser Bauchgefühl ins Spiel. Diese Unzahl an Eindrücken, die du mit allen deinen Sinnen blitzartig erfasst hast, werden in deinem Unterbewusstsein zu weiteren Erkenntnissen zusammengefasst. Dieser Teil in dir weiß etwas, aber er kann dir keine Bilder dazu schicken, und keine fertige Rechnung präsentieren. Aber er verschafft sich Gehör in deinem Bewusstsein, indem er ein bestimmtes Gefühl erzeugt.

Es ist eine Vermutung, ein Impuls, der dich bewegt. Dein Bauchgefühl kann unterschiedlich gut ausgeprägt sein. Das hängt vor allem von zwei Dingen ab. Wie gut du die Verbindung mit diesem Ratgeber in dir trainiert und etabliert hast, und wie groß deine Erfahrungen in dem Bereich sind, um den es geht. Sehen wir uns beides etwas genauer an.

Eine vertrauensvolle Verbindung

Die Fähigkeit, mit unserem Instinkt, dem “weisen Ratgeber” in unserem Bauch in Austausch zu treten, ist jedem von uns in die Wiege gelegt. Diese Verbindung ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich stark ausgeprägt, aber wir können sie bewusst trainieren und so die Verbindung stärken. Je nachdem, welche Erfahrungen du schon mit deinem Bauchgefühl gemacht hast, wie intensiv du dich mit deinem Inneren auseinandergesetzt hast und mit welchen Schwerpunkten du es in deinem Beruf und deinem kulturellen Umfeld zu tun hast, wirst du eine mehr oder weniger intensive Verbindung zu deinem Bauchgefühl haben. Wenn du regelmäßig Zeit in der Natur verbringst, abseits vom Lärm der Großstadt, Smartphones und Sozialen Medien, kann das deine Instinkte stärken.

Erfahrungen und Wissen

Einen entscheidenden Einfluss haben auch dein vorhandenes Wissen und deine Erfahrungen. Wenn du zum Beispiel schon viele Jahre in einem kaufmännischen Beruf arbeitest, dann wird dein Bauchgefühl bei Entscheidungen in diesen Bereichen wahrscheinlich weit besser ausgeprägt sein als in anderen Bereichen, mit denen du noch keine Erfahrungen gemacht hast. Du kannst dann wahrscheinlich oft auf Anhieb sagen, ob sich etwas ausgeht, oder eher nicht.

Manchmal geht es aber einfach nur um Lebenserfahrung und die Schlussfolgerungen daraus. Nehmen wir an, du hast festgestellt, dass ein Bekannter sehr aufgewühlt ist nach einem Streit, oder vielleicht übermüdet nach einer harten Schicht. Dann wird dir dein Bauchgefühl vielleicht den Impuls geben, dich diesmal nicht von ihm nach Hause fahren zu lassen. Dein Bauchgefühl ist in diesem Moment ein Ausdruck der Schlüsse, die du schon unbewusst gezogen hast. Eine grobe Abschätzung der Situation, die „Pro“ oder „Contra“ bedeuten kann.

Auch hier ist ein goldener Mittelweg eine gute Entscheidung. Das bedeutet, dass du weder deinem Bauchgefühl alle deine Entscheidungen überlässt, oder im anderen Extrem nur auf dein logisches Denken und deinen Kopf hörst, und diese feinen Impulse unterdrückst.

Also – mache es dir zur Gewohnheit, dein Bauchgefühl regelmäßig in deine Entscheidung mit einzubeziehen. Lass dein Hirn und deinen Bauch gemeinsam im Team arbeiten, wenn du die besten Entscheidungen treffen willst. Betrachte deine Bauchgefühle als eine zusätzliche Quelle für Informationen auf einer nonverbalen, emotionalen Ebene. Deine Logik ist ein wichtiger Berater, und dein Bauchgefühl ein anderer. Gib beiden Stimmen einen fairen Raum und triff dann deine Entscheidungen. Du wirst erstaunt sein, wie oft du damit richtig liegst.

Viel Erfolg!

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

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