Das Geheimnis des Flow

Der Psychologe Mihály Csíkszentmihályi prägte durch seine Arbeiten das Phänomen des „Flow“. Seither haben viele Forscher versucht, diesen Zustand und sein Entstehen zu erfassen. Was versteht man unter einem „Flow“? Er ist – vereinfacht gesagt – ein Zustand der Vertiefung. Ein tief empfundenes Glücksgefühl, in dem wir mit spielerischer Leichtigkeit exzellente Leistungen vollbringen können. Doch was versetzt unser Gehirn in diesen „Alpha-Modus“? Ich bin dieser Frage nachgegangen und möchte ein paar Erkenntnisse mit dir teilen.

Die Einflüsse sind vielfältig, doch es gibt ein paar Umstände, die es dir erleichtern, in den Flow zu gelangen, beforeitsnews.com in einem artikel veröffentlicht. Du kannst den Zustand des Flow nicht erzwingen – ganz im Gegenteil – doch je mehr der folgenden Bedingungen du für dich herstellen kannst, umso wahrscheinlicher wirst du immer öfter in den Flow eintauchen. Hier fünf entscheidende Faktoren:

1. Die optimale Herausforderung

Ein Auslöser für den Flow Zustand ist der Grad der Herausforderung. Der Bereich zwischen Unterforderung und Überforderung ist hier oft sehr schmal. Ist etwas zu simpel, kann es schwer Faszination oder Interesse in dir wecken. Fühlst du dich hingegen mit der Bewältigung hoffnungslos überfordert, würgt das jedes Feuer deines Geistes ab. Ideal ist es, wenn du so gefordert bist, dass du damit an deine Grenzen gelangst. Du solltest dir aber immer noch die Fähigkeit zutrauen, eine Lösung zu finden.

Die innere Überzeugung, etwas zu schaffen, kann dich beflügeln und so manche Hindernisse auf dem Weg überwinden.

Am Ende genießt du das Gefühl des Erfolges. Falls die Herausforderungen für dich nicht angemessen sind, frage dich, wie du sie anpassen kannst. Was könnte dich herausfordern?

2. Echte Leidenschaft

Was du gerne machst, machst du gut!

Diese Weisheit hat gerade beim Flow ihre Berechtigung. Eine Arbeit, die Großteils aus Routineabläufen besteht (Fließband- oder Akkordarbeit etwa), kann dich durch ihre Abläufe vielleicht in eine leichte Trance versetzen, doch wenn die Tätigkeit auf lange Sicht eintönig ist, wird sie dich eher langweilen und frustrieren, statt inspirieren. Deshalb ist es wichtig, deine Verbindung zu einer Aufgabe zu entdecken und ihr nachzuspüren. Was kann deine Leidenschaft wecken? Worin steckt die Leidenschaft in dem, was du tun willst?

3. Faszination

Ein weiterer Trigger ist ehrliches Interesse an einer Tätigkeit. Aber Interesse allein ist zu wenig. Um deinem Gehirn einen echten Anreiz für ein Durchstarten in den Flow zu geben, sollte dich die anstehende Aufgabe wirklich faszinieren. Das kannst du nicht vortäuschen, denn dein Gehirn würde den Schwindel bemerken. Wenn du von etwas wirklich fasziniert bist, dann entfesselst du eine spielerische Neugierde in dir und wirst so zu einem staunenden Entdecker. Du erinnerst dich sicher noch an Augenblicke, in denen dich etwas so in seinen Bann gezogen hat, dass du darüber die Zeit und den Rest der Welt völlig vergessen hast. Dann beginnst du die Sache wieder mit den Augen eines Kindes zu sehen, das Fragen stellt und die Lösung dazu entdecken will. Es ist die reine Freude am Erleben.

Die Belohnung ist das Tun selbst.

In diesem Zustand brauchst du keine Anreize von außen. Du empfindest eine gewisse Ehrfurcht und es macht dir richtig Spaß. Finde heraus, welcher Teil an der Aufgabe dich besonders fasziniert. Wodurch kannst du die Faszination für dich erhöhen? Mache dir die faszinierenden Elemente bewusst.

4. Freiheit

Auch unter Druck können wir in den Flow kommen – ja, manche brauchen sogar das Bewusstsein im Hinterkopf, dass es um etwas geht und die Zeit oder andere Ressourcen knapp sind. Im sportlichen Wettkampf ist der Flow der ideale Zustand, um erstklassige Leistungen zu bringen. Wenn wir jedoch in einem Umfeld agieren, das uns permanent unter Druck setzt, kann das diese spielerische Leichtigkeit ausbremsen. Dabei spielt es weniger eine Rolle, wieviel Zeit du tatsächlich zur Verfügung hast, sondern ob du dich gehetzt und unter Druck gesetzt fühlst.

Auch die Gewissheit, dass du so agieren und arbeiten darfst, wie du möchtest, fällt in diesen Bereich. Denn wenn du den Eindruck hast, dass dein Handeln permanent von anderen beurteilt wird und du dabei strikt festgelegten Abläufen und Normen entsprechen musst, hemmt das den Flow.

Das Gefühl, fremdbestimmt zu sein, kann deine Motivation leicht torpedieren.

Deine Aufmerksamkeit lässt nach und du schaltest irgendwann auf „Autopilot“. Damit das nicht passiert, frage dich: Welche Umstände benötigst du, um mit einem guten Gefühl arbeiten zu können? Welche Möglichkeiten hast du, um dir bessere Bedingungen (z.B. mehr Zeit, ein anderer Ort, ein anderes Umfeld, …) zu schaffen?

5. Rhythmische Bewegung

Körperliche Bewegung löst viele wohltuende Prozesse in unserem Gehirn aus. Es scheint einen direkten Zusammenhang zu geben zwischen der Ausschüttung einer Reihe von Botenstoffen und körperlicher Bewegung. Das bekannte „Runners-High“ bei Läufern ist hier nur die Spitze des Eisbergs. Rhythmische Bewegung kann dir dabei helfen, deine Gedanken in Schwung zu bringen und festgefahrene Denkmuster zu durchbrechen.

Allein deine Körperhaltung übt bereits einen gravierenden Einfluss auf deine unmittelbare Stimmung aus. Körperliche Tätigkeiten kann auch deine Kreativität anfeuern. Während du beispielsweise eine Arbeit durchführst, die gar nichts mit deinem ursprünglichen Problem zu tun hat, arbeitet dein Unterbewusstsein im Hintergrund bereits auf Hochtouren an einer alternativen Lösung. Dabei spreche ich gar nicht von „echter“ sportlicher Betätigung. Ein entspannter Spaziergang reicht für den Anfang oft völlig aus.

Willst du das Eintreten eines Flow-Zustandes fördern, finde deinen Rhythmus beim Arbeiten.

Selbst wenn du eine sitzende Tätigkeit im Büro ausführst, kannst du eine kleine, rhythmische Bewegung einbauen (nervöses wippen mit den Beinen zählt nicht unbedingt dazu). Oft findet sich in der Tätigkeit selbst ein rhythmisches Element, das du bewusst nutzen kannst.

Die Bewegung sollte sich auf jeden Fall harmonisch und angenehm für dich anfühlen und zur Tätigkeit passen. Experimentiere ruhig ein wenig. Du kannst diese sanfte, physische Bewegung noch zusätzlich unterstützen, indem du leise summst (wenn es in deinem unmittelbaren Arbeitsumfeld nicht störend ist). Wodurch kannst du dem Rhythmus mehr Raum geben? Gibt es eine Musik, die dich anregt und beflügelt?

Willst du den Flow öfter genießen, dann suche dir angemessene Herausforderungen, entdecke deine Leidenschaft, lasse dich faszinieren, schaffe dir die Freiheit, die du brauchst und führe deine Arbeit in einem passenden Rhythmus. Nutze die Möglichkeiten und hab Spaß dabei.

Viel Erfolg!

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