Affirmationen – Wundermittel oder Wunschdenken?

Was ist eine Affirmation?

Der Begriff stammt ursprünglich aus dem lateinischen „affirmatiō“, was „Versicherung“ und „Beteuerung“ bedeutet. Es ist eine positiv formulierte Aussage, die meist regelmäßig über einen längeren Zeitraum wiederholt wird, um bestimmte Eigenschaften zu stärken oder Ziele zu erreichen. Eine Affirmation wird auch dazu eingesetzt, um negativen Glaubenssätze umzuwandeln.

Wir basteln eine Affirmation

Dabei gehen wir logisch vor. Wir wählen uns einen Sachverhalt, den wir verändern wollen. Nehmen wir an, Du willst deine Stimmung verbessern. Um das in deinem Geist zu verankern, entwirfst du eine passende Affirmation, die du zum Beispiel wie folgt positiv formulierst: „Ich fühle mich von Tag zu Tag besser“.

Eine Affirmation sollte frei von Verneinungen sein.

Vegiss also „ich werde nicht“, “ich habe keine, etc…”, denn dein Gehirn verarbeitet negative Formulierungen nicht. Es „streicht“ vielmehr das “nicht” oder “keine”, und macht damit am Ende daraus genau das, was du nicht haben wolltest. Formuliere also positiv und mache daraus ein eindeutiges “ich werde…”, “ich habe…”.

Soweit so gut. Diese formulierte Aussage ist sozusagen das „Gefäß“, durch das du die Botschaft in dein Bewusstsein transportieren willst, damit sich eine entsprechende Überzeugung und die damit verbundene Wirkung in dir entfalten.

Du nimmst dir also vor, diesen Satz in deinen Gedanken jeden Tag mindestens zwanzigmal zu wiederholen. Du machst ein Mantra daraus, dass bei jeder Gelegenheit in Dauerschleife in deinen Gedanken läuft. Du rezitierst es als erstes nach dem Aufwachen und als letztes vor dem Schlafengehen und versuchst damit, dich selbst und dein Unterbewusstsein in stoischer Beharrlichkeit davon zu überzeugen. Du würzt das Ganze noch mit möglichst viel Begeisterung, um den Köder für dein Unterbewusstsein so schmackhaft wie möglich zu machen. Um ganz sicher zu gehen, unterlegst du auch noch deine Lieblingsmusik mit der Affirmation. In einer Lautstärke die unhörbar für deine Ohren ist, versuchst du es, an deinem inneren Zensor vorbei in dein Unterbewusstsein zu schmuggeln. Puh! Ganz schön viel Einsatz. Doch hilft das alles? Ist es am Ende wirklich wirksam?

Das Prinzip genauer betrachtet

Sehen wir uns die Sache einmal etwas genauer an. Zuerst einmal geht es um die Glaubwürdigkeit deiner Affirmation. Sie kann noch so positiv und perfekt formuliert sein – wenn sie für dich unrealistisch ist „Ich werde der beste Fußballspieler der Welt!“, oder unmöglich „Ich kann fliegen!“, wird dein Unterbewusstsein den Braten riechen. Oder anders gesagt:

Du kannst deinem innersten Kern kein X für ein U vormachen.

Im besten Fall passiert gar nichts, im schlimmsten Fall regt sich in deinem Unterbewusstsein Widerstand und deine Affirmation geht nach hinten los.

Nehmen wir an, deine Wünsche bewegen sich im Rahmen des Machbaren und Möglichen. Das kann und darf durchaus ein Ziel sein, dass du zwar noch nicht erreicht hast, dass du aber in absehbarer Zeit schaffen kannst. Das ist zwar eine Herausforderung, aber durchaus motivierend.

Kurz gesagt – bei einer Affirmation arbeiten wir in der Regel von Außen (unserem Ziel oder Wunsch) nach Innen (unserem inneren Kern, den wir verändern wollen).

Die Richtung umkehren – die Reise nach Innen

Hier mein ganz persönliches Plädoyer für einen anderen Umgang mit Affirmationen:

Ändere deine Perspektive beim Erschaffen deiner Affirmation und gehe im Gegensatz dazu den umgekehrten Weg – also von innen nach außen.

Begib dich dazu an einen ruhigen Ort. Der kann in der Natur liegen (ein Waldspaziergang etwa ist eine tolle Umgebung für achtsame Arbeit mit sich selbst), oder in einer gemütlichen Ecke deiner Wohnung. Wichtig dabei ist, dass du dabei Ruhe hast und nicht gestört wirst. Deinem Smartphone kannst du mit dem „Aus“ Knopf dabei ruhig einmal eine Pause gönnen.

Jetzt gehst du mit deiner Achtsamkeit dorthin, wo deine Affirmation schließlich wirksam sein soll und Veränderungen bewirken. Um deine Affirmation aus deinem inneren Kern heraus zu erschaffen, gehst du in zwei Schritten vor:

Schritt 1: die Quelle ergründen

Gehe jetzt in dein Inneres und höre aufmerksam zu. Stelle dir den Bereich, den du mit der Affirmation verbessern willst in seinem Idealzustand vor. Sieh dich selbst, wie du die Eigenschaft, die du entwickeln willst, bereits hast und sie (er-)lebst. Geh dabei folgende Fragen nach:

  • Wie wird es sich anfühlen, wenn ich X erreicht habe?
  • Macht es mich glücklich und/oder zufriedener?
  • Fühlt es sich für mich gut und stimmig an?
  • Welches Bedürfnis befriedige ich damit?
  • Was soll mir diese erworbene Eigenschaft/Fähigkeit ermöglichen?
  • Steht das im Einklang mit meinen anderen Zielen?
  • Welche Emotionen, Gedanken und Bilder erzeugt die Vorstellung, das Ziel bereits erreicht zu haben?

Nimm dir so viel Zeit dafür, wie du benötigst. Wichtig dabei – sei ehrlich zu dir selbst. Du kannst dir natürlich auch ein Notizbuch oder dein mentales Trainingsbuch zur Hand nehmen und alle wichtigen Stichworte und Erkenntnisse aufschreiben.

Wenn es sich für dich gut und stimmig anfühlt, ist das die optimale Basis für deine Affirmation.

Du hast dein Inneres befragt und es zu Wort kommen lassen.

Damit bist du auf dem richtigen Weg. Jetzt weißt du, dass die Botschaft, die du deinem Unterbewusstsein geben willst, auch angenommen werden wird. Du vermeidest damit auch, eine Affirmation zu erschaffen, die für einen Teil von Dir widersprüchlich oder zweifelhaft ist.

Wenn du bei deiner Reise nach Innen bemerkst, dass es nicht passt, oder dass ganz andere Motive dahinterstehen als du eigentlich angenommen hast, dann folge diesem Pfad und finde mehr darüber heraus. Damit gelangst du zu wichtigen und vielleicht auch erstaunlichen Einsichten über das Thema und deine Verbindung dazu.

Schritt 2: Emotionen formulieren

Erlebe und verstärke die angenehmen Emotionen, die du jetzt dazu spürst. Versuche in Worte zu fassen, was du jetzt fühlst. Kannst du daraus einen ersten Satz bilden? Gehe ruhig spielerisch damit um und probiere unterschiedliche Formulierungen aus. Weckt der Satz Vorfreude, Begeisterung und gute Stimmung in dir? Ja? Dann bist du genau auf dem richtigen Weg. Formuliere weiter in diese Richtung und höre dabei auf dein Inneres.

Eine stimmige Affirmation erzeugt bei mir z.B. Freude und ein Gänsehaut – Feeling.

Das ist echte Mindpower in einem Satz!

Und das Beste daran – es ist nicht irgendeine Formulierung, sondern sie kommt aus Dir selbst. Damit gibst du deinem Unterbewusstsein genau das Futter, das es braucht. Jetzt geht`s los mit der täglichen Anwendung deiner Affirmation. Der Erfolg wird wahrscheinlich nicht lange auf sich warten lassen.

Die Grenzen von Affirmationen…

Affirmationen können ein nützliches Werkzeug sein, doch sie können keine Wunder bewirken. Wenn dein Leben insgesamt nicht rund läuft, kann das mehrere Ursachen haben, die sich unter Umständen gegenseitig negativ verstärken. Hier ist eine Affirmation alleine zu wenig, um ein neues Leben zu erschaffen. Dann ist es unter Umständen sinnvoll, deine Situation ganzheitlicher zu betrachten und zu analysieren, um den besten Weg zur Gestaltung einer positiven Zukunft zu finden.

Ich wünsche dir viel Erfolg dabei!

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.

Schreibe einen Kommentar