Achtung: (Denk-)Falle!

Wenn von Mentaler Stärke gesprochen wird, dann werden damit oft Begriffe wie „Gelassen sein“, „gut Entspannen können“, „Fokussiert und Konzentriert sein“, „Resilient mit Herausforderungen umgehen können“ usw. genannt.

Es stimmt – das sind alles wichtige Bereiche Mentaler Stärke. Aber es gibt einen weiteren, großen Bereich, der uns leicht in die Irre führen kann. Die Rede ist von unseren Denkgewohnheiten. Denn auch im Denken gilt – der Teufel steckt im Detail. Bei über 60.000 Gedanken täglich können wir uns schon mal in falschen Annahmen verrennen. Falsche Vorannahmen oder Vorurteile können uns auf Abwege führen und verwirren.

Dabei kommen die meisten Denkfallen sehr unscheinbar daher und erscheinen auf den ersten Blick logisch und plausibel, manchmal auch äußerst verlockend. Doch wenn wir sie nicht erkennen, dann kosten sie uns Zeit und Energie, gaukeln uns eine andere Realität vor und führen uns damit in Sackgassen. Drei dieser Denkfehler will ich dir heute hier vorstellen und Wege aufzeigen, wie du sie besser erkennen und vermeiden kannst. Denn eine gute Selbstwahrnehmung ist der erste Schritt zur Vermeidung.

Bist du die Ausnahme von der Regel?

Es gibt viele Dinge, die uns im Leben begegnen. Egal, ob es sich dabei um deine Karriere, deine Beziehungen oder deinen Körper handelt. Natürlich musst du nicht automatisch von allen Entwicklungen betroffen sein. Genau hier öffnet sich bereits die Tür für diese Denkfalle. Wir befassen uns meistens nur recht oberflächlich mit diesen unterschiedlichen Einflüssen und kommen dann meistens zum Schluss „Das wird MIR sicher nicht passieren!“. Dabei täten wir gut daran, auch diese Folgen zu beachten und sie ganz real in unsere Überlegungen mit einzubeziehen.

Ein paar Beispiele für solche „Das passiert mir sicher nicht“ Denkfehler gefällig? Sich ohne Sonnenschutz in die pralle Sonne zu legen in der Gewissheit, dass man schon keinen Sonnenbrand bekommen wird. Oder sich nach einigen Gläsern Alkohol mit der Gewissheit hinter das Steuer zu setzen, dass man die volle Kontrolle über das eigene Fahrverhalten behalten wird. Na, da geht sicher nichts schief!

Oder ohne passende Ausrüstung mit sommerlicher Kleidung zu einer Wanderung ins Gebirge aufzubrechen. Das Wetter wird schon nicht umschlagen, und die Tour wird schon nicht schwierig werden. Jedes Jahr holen Rettungshubschrauber und die Bergrettung hunderte Menschen aus gefährlichen Situationen, die die Umstände unterschätzt und so gedacht haben. Manche von ihnen bezahlen diese Leichtsinnigkeit sogar mit ihrem Leben. Die Liste ließe sich jetzt noch beliebig fortsetzen aber ich denke, es ist klar geworden, worum es geht.

Wenn du vergangene Ereignisse Revue passieren lässt, wirst du vielleicht auf das eine oder andere stoßen, bei dem du vielleicht auch dachtest, „Das passiert MIR sicher nicht! Ich bin die Ausnahme von der Regel“. Aber schon wenig später warst du prompt mittendrinnen im Undenkbaren. Im besten Fall kannst du es hoffentlich als eine einmalige Lernerfahrung verbuchen.

Bei diesem Denkfehler geht es darum, die richtige Mischung zu finden. Also einerseits nicht automatisch immer das Schlimmste anzunehmen und überall Schwarz zu sehen, aber auch nicht in Selbstüberschätzung die rosarote Brille aufzusetzen und unnötige Risiken einzugehen. Es geht darum, die Dynamik bestimmter Dinge ernsthaft einzukalkulieren und sich entsprechend vorausschauend zu verhalten.

Vorbereitung und Achtsamkeit sind gute Ratgeber.

Dann kann nicht mehr so viel schief gehen. Du hast dann vorausschauenden Plan „B“ und du wirst nicht mehr so leicht von bestimmten Entwicklungen überrascht.

Hier kommt Denkfehler Nummer zwei, und der nennt sich einfach…

Social Proof

Vorab eine Frage – wenn viele etwas tun – ist es dann automatisch gut oder richtig? Oder anders gefragt – je mehr Menschen von einer Idee überzeugt sind – macht das diese Idee dadurch richtiger, oder „wahrer“? Wenn du diese Fragen mit „Ja“ beantwortet hast, bist du geradewegs in die nächste Denkfalle gestolpert. Man könnte sie auch den „Herdentrieb“ nennen.

Wir neigen dazu, uns an der Masse zu orientieren.

Im Zweifelsfall richten wir uns nach der Entscheidung anderer Menschen. Das, was viele tun, dem schließen wir uns dann spontan und reflexartig an. Denn viele können nicht irren, oder? Von dieser Anpassung hing unser Überleben in der Gemeinschaft der Frühzeit ab, und diese soziale Komponente begleitet uns noch heute. Sie wirkt etwa in all den Bewertungen, die man für Produkte im Internet abgeben kann. Jeder große Internetshop bietet inzwischen dieses Feature „Bewerte deinen Einkauf“. Wenn wir uns für ein Produkt interessieren, oder einen Film ansehen wollen, stöbern wir durch die bereits abgegebenen Rezensionen. Wird das Produkt gelobt oder verrissen? Wie viele Sterne hat es erhalten? Ob wir wollen oder nicht, das beeinflusst unsere Kaufentscheidung mit. Fallen viele Rezensionen gut aus, kann eigentlich nichts schief gehen, oder? In jedem Fall solltest du dabei im Hinterkopf behalten, dass das kein absoluter Beweis dafür ist, etwas zu tun oder nicht zu tun. Auch die Masse kann einem Irrtum aufsitzen.

Zum Abschluss noch eine Denkfalle, die dir vielleicht auch schon in der einen oder anderen Form begegnet ist. Sie nennt sich

The sunk cost fallacy“

Was versteckt sich hinter dieser etwas sperrigen englischen Bezeichnung?

Man könnte es auch das “Investitions-Paradoxon” nennen. Die Wirkung ist einfach erklärt. Wenn wir in etwas investieren (zum Beispiel Zeit, Geld, Energie,…), dann wollen wir natürlich auch unser angestrebtes Ziel erreichen. Wir sind fest davon überzeugt. Das Problem, dabei – manchmal entwickeln sich die Dinge nicht so gut. Aber wir halten dann immer noch eisern an unserer Entscheidung fest – mehr noch – wir investieren noch mehr Geld und Zeit. Warum? Wir wollen konsistent wirken. Die Veranstaltung ist schlecht, aber wir gehen nicht. Warum? Wir haben teure Tickets dafür bezahlt und einen langen Anfahrtsweg dafür in Kauf genommen – also sitzen wir die Vorstellung auch aus. Doch ist das wirklich sinnvoll? Du hast vielleicht viel Geld in eine Spekulation gesteckt – doch anstatt sie rechtzeitig zu verkaufen, hältst du an ihr fest, auch wenn der Verlust immer offensichtlicher wird. Auch in Beziehungen kann uns diese Denkfalle erwischen. Wir haben doch schon so viel Zeit, Liebe und Energie hineingesteckt. Auch wenn sie schon lange schlecht läuft, halten wir unverändert an ihr fest. Jetzt erst recht – Augen zu und durch!

Kurz gesagt – es ist nichts Schlechtes daran, weiterhin in etwas zu investieren (Geld, Zeit, Energie, Emotionen, …). Aber du solltest dabei nicht das bereits investierte in deiner Entscheidung berücksichtigen. Klingt auf den ersten Blick hart und irrational, aber es kann dich vor großen Verlusten bewahren. Orientiere dich am Hier und Jetzt und schätze die Chancen entsprechend neu ein.

Löse dich von vergangenen Entscheidungen.

Smart denken beginnt damit, die Fallen im eigenen Denken zu erkennen und zu entlarven. Das kann manchmal weh tun. Denken ist gut, aber du kannst deinem Denken nicht immer trauen. Ich hoffe, dieser Blog hat dir dazu ein paar gute Anregungen geboten. Mit welchen „Denkfallen“ hattest du schon zu kämpfen, und wie bist du mit ihnen umgegangen? Schreib mir deine Erfahrungen, ich bin gespannt auf dein Feedback. Du willst nicht mehr so leicht in Denkfallen tappen? Dann nimm Kontakt mit mir auf.

Hinweis: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.